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Geschichten von Sonja W.
Zitat von Heinz am 21. Februar 2026, 17:21 Uhr
Die Giggernillisbrosche.
E Fasnachtsgschicht vo der Sonja Wäber.
Scho in der Häfelischuel hänn sie immer mittenander gschpielt. S glaine Regula mit de wiissblonde Löggli und der Willy wo immer e winzige Schruubezieher derbii gha het. Und jedes Mol an der Fasnacht het är gluegt, dass die Giggernillisbrosche wo am Gwändli vo der Regula gsii isch. Jetzt muess ich no öppis erklähre. Die Brosche isch us Trompetebläch gsi und mit eme riesige Schtei us ächtem dunggelrotem Polieschter. S Regula het si eifach e Mol gfunde in ere riesige Schachtle voll altem Grusch im Eschtrich. Es wär kei Schissdräggzügli während der Primmeli gange ohne dä königlichi Schmugg. D Ziit isch vergange, sie sin beidi erwachse worde D Regula het e Uusbildig bi der Pharma gmacht und der Willy het sie Schtudium beändet und isch als Ingenieur nach Auschralie uusgwanderet. Aber jedesmol all die Johr, hets Regula e Karte übercho mit em Bild vo däre Giggernillisbrosche. Aber d Brosche sälber isch eifachverschwunde gsi. Es isch no meh Ziit vergang, d Kinder sin furt der Maa isch gschtorbe und s Huus isch z gross worde für d Regula ellei. So hett sie beschlosse dass sie in e Senioreresidänz züglet.
Ganz ähnlich isch es in Auschtralie gange, au dört isch der Willy ellei gsi und het beschlosse: Der Läbensoobe welli är in Basel verbringe. Und wie s der Zuefall, oder s` Schicksal so will, au är het sich im gliiche Seniorezentrum aagmäldet. Amene schöne Morge, d Regula isch grad am z Morge gsässe, schtoht e schtattliche Maa mit wisse Hoor und emene wisse Bart an ihrem Tisch. Er griesst und seit, „ich hätt do öppis zum abgäh wo unbedingt nach Basel hett well“. Är legt e glains Schächteli uff derTisch. Verwirrt luegt d Regula dä Herr aa und nimmt der Deggel ab. Drinne liegt die bluetroti wunderbari Giggernillisbrosche, Sie falle sich in d Ärm und lache. Mit emen Augezwinggere frogtsi. Nur d Brosche het nach Basel welle? Und der Willy, är lacht und meint, gäll du weisch das ohni Frooge.
Die Giggernillisbrosche.
E Fasnachtsgschicht vo der Sonja Wäber.
Scho in der Häfelischuel hänn sie immer mittenander gschpielt. S glaine Regula mit de wiissblonde Löggli und der Willy wo immer e winzige Schruubezieher derbii gha het. Und jedes Mol an der Fasnacht het är gluegt, dass die Giggernillisbrosche wo am Gwändli vo der Regula gsii isch. Jetzt muess ich no öppis erklähre. Die Brosche isch us Trompetebläch gsi und mit eme riesige Schtei us ächtem dunggelrotem Polieschter. S Regula het si eifach e Mol gfunde in ere riesige Schachtle voll altem Grusch im Eschtrich. Es wär kei Schissdräggzügli während der Primmeli gange ohne dä königlichi Schmugg. D Ziit isch vergange, sie sin beidi erwachse worde D Regula het e Uusbildig bi der Pharma gmacht und der Willy het sie Schtudium beändet und isch als Ingenieur nach Auschralie uusgwanderet. Aber jedesmol all die Johr, hets Regula e Karte übercho mit em Bild vo däre Giggernillisbrosche. Aber d Brosche sälber isch eifachverschwunde gsi. Es isch no meh Ziit vergang, d Kinder sin furt der Maa isch gschtorbe und s Huus isch z gross worde für d Regula ellei. So hett sie beschlosse dass sie in e Senioreresidänz züglet.
Ganz ähnlich isch es in Auschtralie gange, au dört isch der Willy ellei gsi und het beschlosse: Der Läbensoobe welli är in Basel verbringe. Und wie s der Zuefall, oder s` Schicksal so will, au är het sich im gliiche Seniorezentrum aagmäldet. Amene schöne Morge, d Regula isch grad am z Morge gsässe, schtoht e schtattliche Maa mit wisse Hoor und emene wisse Bart an ihrem Tisch. Er griesst und seit, „ich hätt do öppis zum abgäh wo unbedingt nach Basel hett well“. Är legt e glains Schächteli uff derTisch. Verwirrt luegt d Regula dä Herr aa und nimmt der Deggel ab. Drinne liegt die bluetroti wunderbari Giggernillisbrosche, Sie falle sich in d Ärm und lache. Mit emen Augezwinggere frogtsi. Nur d Brosche het nach Basel welle? Und der Willy, är lacht und meint, gäll du weisch das ohni Frooge.
Zitat von Heinz am 8. März 2026, 15:09 Uhr
Eine Geschichte über Nebel.
Schleier über Affoltern.
von Sonja Weber
Eigentlich wusste niemand so richtig wann die alte Frau Rüdisüli in das Quartier kam. Sie war einfach immer schon da. Im Sommer sitzt sie auf ihrem winzigen Balkon mit einem Buch in der Hand, oder sie sieht sich am Küchenfenster an was auf dem kleinen Platz vor ihrem Haus so los ist.
Manchmal erklingen aus ihrer Wohnung ganz seltsame Klänge. Wie aus dem Orient fremd und fern. Die Leute wunderten sich und meinten, mit diesem Namen sollte sie doch Alphörner und Hudigäggeler hören. Und ab und zu hängt auf ihrem Balkon ein Gewand wie aus einem Märchen. Gelbgold und glitzernd. Die alte Frau pflegte das schöne Kleid und versorgte es wieder in ihrem Schrank. Einmal in der Woche setzt sich Frau Rüdisüli in das kleine Kaffee in der Nähe. Sie trinkt immer einen Pfefferminztee mit mindestens vier Säckchen Zucker. Die Kellnerin meinte einmal ob das nicht zu viel sei? Nein, nein antwortet die alte Frau, es ist wegen früher und lächelt.
Im Gemeinderat kam eines Tages die Idee, wir laden alte Leute ein und die erzählen von ihrer Jugend. Man überlegte sich wen man da fragen sollte. Die junge Kindergärtnerin schlug Frau Rüdisüli vor. Was die, fragten andere Mitglieder erstaunt, und hatten vor Augen die Alte mit ihrem strähnigen Grauhaar und der immer schmutzigen Schürze. Aber die junge Frau bestand darauf. Am selben Abend klingelte sie bei ihrer Nachbarin und erzählte ihr von dem Vorhaben.
Meinen sie wirklich fragte Frau Rüdisüli, und nahm einen Schluck von ihrem süssen Pfefferminztee. Ja schon weil sie diesen Tee so machen wie er in Marokko, Aegypten, einfach im Orient so getrunken wird. Die junge Frau hat sie überzeugt und so kam es an einem Nachmittag im Alterszentrum zur Rehweide, dass die alte Frau von ihrem Leben erzählte. Ich war Tänzerin in Marakesch, Kairo und Beyrut. Mein Künstlername war ALIMA-SHADIA. Das heisst auf Deutsch, „die Tanz und Musik liebt“. Aus dem Hintergrund wurde das wunderbare gold glitzernde Kleid an einem Ständer hervor gerollt. Viele zarte Stoffbahnen schwebten beim leisesten Hauch um das Kleid. Dazu erklangt ganz leise orientalische Musik. Frau Rüdisühli bewegte dazu plötzlich ganz graziös ihre Hände. Man konnte erahnen wie schön das war wenn sie ihren berühmten Schleiertanz vor den Gästen zum Besten gab. Tief bewegt ging man nach Hause und schwärmte noch lange von diesem aussergewöhnlichen Nachmittag. Frau Rüdisüli sitzt wieder auf ihrem winzigen Balkon mit einem Buch. Doch am Abend war sie immer noch dort. Das fand ihre Nachbarin ungewöhnlich und läutete an der Wohnungstüre. Es machte niemand auf. Man holte die Gemeindehelferin und die machte die Türe mit einem Passepartout auf. Frau Rüdisüli sass mit einem kleinen Lächeln in ihrem Stuhl. Sie hatte die Augen für immer geschlossen. Der Titel der Buches, das sie immer noch in den Händen hält „Märchen aus Tausendundeiner Nacht.“
Und jedes Mal, wenn man im zarten Nebel die Kirchtürme von Glaubten und St.Catarina nicht so genau sieht, nicken sich die Leute mit einem Lächeln zu. Da seht nur Frau Rüdisüli grüsst uns aus dem Himmel mit ihrem Schleiertanz.
Eine Geschichte über Nebel.
Schleier über Affoltern.
von Sonja Weber
Eigentlich wusste niemand so richtig wann die alte Frau Rüdisüli in das Quartier kam. Sie war einfach immer schon da. Im Sommer sitzt sie auf ihrem winzigen Balkon mit einem Buch in der Hand, oder sie sieht sich am Küchenfenster an was auf dem kleinen Platz vor ihrem Haus so los ist.
Manchmal erklingen aus ihrer Wohnung ganz seltsame Klänge. Wie aus dem Orient fremd und fern. Die Leute wunderten sich und meinten, mit diesem Namen sollte sie doch Alphörner und Hudigäggeler hören. Und ab und zu hängt auf ihrem Balkon ein Gewand wie aus einem Märchen. Gelbgold und glitzernd. Die alte Frau pflegte das schöne Kleid und versorgte es wieder in ihrem Schrank. Einmal in der Woche setzt sich Frau Rüdisüli in das kleine Kaffee in der Nähe. Sie trinkt immer einen Pfefferminztee mit mindestens vier Säckchen Zucker. Die Kellnerin meinte einmal ob das nicht zu viel sei? Nein, nein antwortet die alte Frau, es ist wegen früher und lächelt.
Im Gemeinderat kam eines Tages die Idee, wir laden alte Leute ein und die erzählen von ihrer Jugend. Man überlegte sich wen man da fragen sollte. Die junge Kindergärtnerin schlug Frau Rüdisüli vor. Was die, fragten andere Mitglieder erstaunt, und hatten vor Augen die Alte mit ihrem strähnigen Grauhaar und der immer schmutzigen Schürze. Aber die junge Frau bestand darauf. Am selben Abend klingelte sie bei ihrer Nachbarin und erzählte ihr von dem Vorhaben.
Meinen sie wirklich fragte Frau Rüdisüli, und nahm einen Schluck von ihrem süssen Pfefferminztee. Ja schon weil sie diesen Tee so machen wie er in Marokko, Aegypten, einfach im Orient so getrunken wird. Die junge Frau hat sie überzeugt und so kam es an einem Nachmittag im Alterszentrum zur Rehweide, dass die alte Frau von ihrem Leben erzählte. Ich war Tänzerin in Marakesch, Kairo und Beyrut. Mein Künstlername war ALIMA-SHADIA. Das heisst auf Deutsch, „die Tanz und Musik liebt“. Aus dem Hintergrund wurde das wunderbare gold glitzernde Kleid an einem Ständer hervor gerollt. Viele zarte Stoffbahnen schwebten beim leisesten Hauch um das Kleid. Dazu erklangt ganz leise orientalische Musik. Frau Rüdisühli bewegte dazu plötzlich ganz graziös ihre Hände. Man konnte erahnen wie schön das war wenn sie ihren berühmten Schleiertanz vor den Gästen zum Besten gab. Tief bewegt ging man nach Hause und schwärmte noch lange von diesem aussergewöhnlichen Nachmittag. Frau Rüdisüli sitzt wieder auf ihrem winzigen Balkon mit einem Buch. Doch am Abend war sie immer noch dort. Das fand ihre Nachbarin ungewöhnlich und läutete an der Wohnungstüre. Es machte niemand auf. Man holte die Gemeindehelferin und die machte die Türe mit einem Passepartout auf. Frau Rüdisüli sass mit einem kleinen Lächeln in ihrem Stuhl. Sie hatte die Augen für immer geschlossen. Der Titel der Buches, das sie immer noch in den Händen hält „Märchen aus Tausendundeiner Nacht.“
Und jedes Mal, wenn man im zarten Nebel die Kirchtürme von Glaubten und St.Catarina nicht so genau sieht, nicken sich die Leute mit einem Lächeln zu. Da seht nur Frau Rüdisüli grüsst uns aus dem Himmel mit ihrem Schleiertanz.