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Samichlaus - einmal passiv und einmal aktiv
Zitat von aloisius am 3. Dezember 2023, 16:47 Uhr
Meine Mutter meinte, es wäre wohl möglich, dass der Samichlaus in diesen Tagen um den 6. Dezember mal vorbei käme. Vater war an der Arbeit. Tatsächlich hörte ich gegen abend von draussen Gebimmel und Schritte, bald darauf ein Stampfen im Treppenhaus. Mit lautstarker Stimme meldete sich der Samichlaus und begehrte Einlass. Mein Herz begann schneller zu schlagen.
Der Samichlaus trug eine schwarze Pelerine mit Kapuze, einen weissen Bart und eine randlose Brille. Er komme vom grossen Wald, müsste noch die Kinder besuchen und sie für ihre schlechten Gewohnheiten bestrafen. Sonst könne nicht Weihnachten werden. Der Samichlaus packte sein grosses Buch aus und wusste einfach alles über mich. Oft würde ich ungehorsam sein, der Mutter nicht folgen (das Dialektwort für gehorchen) und abends wollte ich nicht ins Bett. „Ich werde mich bessern, Samichlaus, ganz sicher“. Der Samichlaus schwenkte seine Rute; ja gut, meinte er, ich lasse Diich nochmals springen, aber wenn Du Dich nicht besserst, nimm ich Dich nächstes Mal in den Sack und mit in den Wald.
Dann leerte er seinen Sack aus und es kamen Nüsse, Birnen und einige Leckereien zum Vorschein. Viel war es nicht, es war ja Kriegszeit.
Später wurde ich aufgeklärt; es war meine liebe Tante Selina, die den strengen Samichlaus spielte. Sie trat so auch in der Schule auf, vor den Erstklässlern, die noch an den Samichlaus glaubten, den Zweitklässlern, die schon zweifelten, und den Drittklässlern, die Bescheid wussten. Und sie ärgerte sich über mich, weil der Drittklässler Aloisli kein Sprüchlein mehr aufsagen wollte. Dabei hat die gute Selina alles nur zum besten gemeint und gemacht.
Als ich schon erwachsen war, aber noch zuhause wohnte, fragte mich die Nachbarin, die Frau des Dorflehrers, ob ich für ihre Enkel den Samichlaus spielen würde. Sie hätte Bischofsgewand, Bart und alles schon bereit.
Natürlich sagte ich zu, liess mir noch die Sünden der Kinder schildern und bereitete mich vor. Nur konnte ich in diesem Kostüm nicht behaupten, ich käme aus dem Wald. So erklärte ich, direkt aus dem Himmel zu kommen, und ich war ein lieber Samichlaus mit nur einer kleinen, zierlichen Rute. Die Kinder freuten sich jedenfalls.
Dann kamen noch die Erwachsenen dran. Die Oma solle nicht immer so nervös sein, und der Opa nicht so viel rauchen. Aber: wenn man in dieser Situation schon mal den früheren Lehrer vor sich hat, lässt man nicht so schnell locker und fasst nach:. „Ja,Grossvater, Ich habe das viele Rauchen schon letztes Jahr gerügt, aber Du hast Dich überhaupt nicht gebessert.“ Und der alte Lehrer versprach mir als Samichlaus nochmals alles was ich wollte. Er werde sich bessern, „diesmal ganz sicher“.

Meine Mutter meinte, es wäre wohl möglich, dass der Samichlaus in diesen Tagen um den 6. Dezember mal vorbei käme. Vater war an der Arbeit. Tatsächlich hörte ich gegen abend von draussen Gebimmel und Schritte, bald darauf ein Stampfen im Treppenhaus. Mit lautstarker Stimme meldete sich der Samichlaus und begehrte Einlass. Mein Herz begann schneller zu schlagen.
Der Samichlaus trug eine schwarze Pelerine mit Kapuze, einen weissen Bart und eine randlose Brille. Er komme vom grossen Wald, müsste noch die Kinder besuchen und sie für ihre schlechten Gewohnheiten bestrafen. Sonst könne nicht Weihnachten werden. Der Samichlaus packte sein grosses Buch aus und wusste einfach alles über mich. Oft würde ich ungehorsam sein, der Mutter nicht folgen (das Dialektwort für gehorchen) und abends wollte ich nicht ins Bett. „Ich werde mich bessern, Samichlaus, ganz sicher“. Der Samichlaus schwenkte seine Rute; ja gut, meinte er, ich lasse Diich nochmals springen, aber wenn Du Dich nicht besserst, nimm ich Dich nächstes Mal in den Sack und mit in den Wald.
Dann leerte er seinen Sack aus und es kamen Nüsse, Birnen und einige Leckereien zum Vorschein. Viel war es nicht, es war ja Kriegszeit.
Später wurde ich aufgeklärt; es war meine liebe Tante Selina, die den strengen Samichlaus spielte. Sie trat so auch in der Schule auf, vor den Erstklässlern, die noch an den Samichlaus glaubten, den Zweitklässlern, die schon zweifelten, und den Drittklässlern, die Bescheid wussten. Und sie ärgerte sich über mich, weil der Drittklässler Aloisli kein Sprüchlein mehr aufsagen wollte. Dabei hat die gute Selina alles nur zum besten gemeint und gemacht.

Als ich schon erwachsen war, aber noch zuhause wohnte, fragte mich die Nachbarin, die Frau des Dorflehrers, ob ich für ihre Enkel den Samichlaus spielen würde. Sie hätte Bischofsgewand, Bart und alles schon bereit.
Natürlich sagte ich zu, liess mir noch die Sünden der Kinder schildern und bereitete mich vor. Nur konnte ich in diesem Kostüm nicht behaupten, ich käme aus dem Wald. So erklärte ich, direkt aus dem Himmel zu kommen, und ich war ein lieber Samichlaus mit nur einer kleinen, zierlichen Rute. Die Kinder freuten sich jedenfalls.
Dann kamen noch die Erwachsenen dran. Die Oma solle nicht immer so nervös sein, und der Opa nicht so viel rauchen. Aber: wenn man in dieser Situation schon mal den früheren Lehrer vor sich hat, lässt man nicht so schnell locker und fasst nach:. „Ja,Grossvater, Ich habe das viele Rauchen schon letztes Jahr gerügt, aber Du hast Dich überhaupt nicht gebessert.“ Und der alte Lehrer versprach mir als Samichlaus nochmals alles was ich wollte. Er werde sich bessern, „diesmal ganz sicher“.

Zitat von Heinz am 3. Dezember 2023, 23:02 UhrDanke, aloisius, für Deine Samichlaus Erinnerungen.
Ich bin dem Samichlaus vorgestern vor dem Bahnhof SBB begegnet. Er hat mir aus seinem Tram zugewinkt.
Danke, aloisius, für Deine Samichlaus Erinnerungen.
Ich bin dem Samichlaus vorgestern vor dem Bahnhof SBB begegnet. Er hat mir aus seinem Tram zugewinkt.

Zitat von sonjaweber am 5. Dezember 2023, 19:07 UhrDanke Aloisius für die herrliche Geschichte. Und Heinz für den " Trämlisantiglaus".
Danke Aloisius für die herrliche Geschichte. Und Heinz für den " Trämlisantiglaus".