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F-35

Ich kopiere hier einen Artikel aus der "Republik" zu diesem unglaublichen Thema. Viel Vergnügen beim (langen) Lesen und haltet den Ärger etwas zurück, er ist ungesund !

Teurer, schlechter, später

Gemäss Bundesrat ist der Kauf des F-35-Kampfjets immer noch alternativlos. Dagegen spricht ein neuer US-Bericht, der zeigt: Das Hightech-Flugzeug wird nicht nur teurer sein als geplant, sondern auch weniger Fähigkeiten haben.

Wer wissen will, wie es um die F-35 steht, muss nur schauen, was die Haupt­kundin des Tarnkappen­kampfjets tut, die US Air Force. Sie will für das kommende Jahr nur noch halb so viele Flugzeuge beschaffen wie geplant, lediglich 12 Stück. Der Jet sei derzeit nicht kriegs­tauglich, sagte David Allvin, Generalstabs­chef der US-Luftwaffe, im Juli: «Weil wir begrenzte finanzielle Ressourcen haben, müssen wir sicher sein, dass die von uns gekauften F-35 den Bedrohungen gewachsen sind.»

Die US-Luftwaffe erachtet die F-35, die der Rüstungs­konzern Lockheed Martin seit zwei Jahren ausliefert, als nicht kampf­fähig. Sie hat sich zuerst geweigert, diese abzunehmen, tut es aus Sicherheits­gründen aber seit einem Jahr wieder. Inzwischen sind 174 nicht einsatzbereite neue F-35 in den Hangars der US Air Force parkiert. Dort warten sie, bis Lockheed Martin sie auf den erforderlichen Stand bringen kann.

Dies und viel mehr Brisantes steht in einem neuen Bericht zur F-35 des US-Rechnungshofs, des Government Accountability Office. Der Bericht birgt auch schlechte Nachrichten für die Schweiz. Gemäss den F-35-Programm­verantwortlichen im US-Verteidigungs­ministerium werde das Modell, das die Schweiz bestellt hat, «weniger Fähigkeiten haben, verspätet sein und noch unbekannte Kosten aufweisen». Weil man zu viel versprochen hat, streicht das Pentagon nun die Funktionen des Jets zusammen. Was genau das Flugzeug nun nicht können wird, bleibt offen. Ferner ist zu lesen, dass die neuen, reduzierten F-35-Kampfjets frühestens bis 2031 ausgeliefert werden, fünf Jahre später als geplant.

In anderen Worten: Die Schweiz wird mehr bezahlen für Kampf­jets, die weniger können als versprochen.

«Es ist, als würden Sie ein neues iPhone kaufen. Wenn Sie es erhalten, kann es nicht, was Ihnen versprochen wurde. Damit es das kann, müssen Sie später noch mehr bezahlen», sagt Dan Grazier. Der frühere Marine­offizier ist Experte für Sicherheits­politik beim Think­tank Stimson Center und verfolgt die Entwicklung der F-35 seit mehr als zehn Jahren.

Er sei der «freieste Mann in Washington D.C.», scherzt er im Gespräch mit der Republik: «Ich kann sagen, was alle denken und wissen, aber nicht sagen können, weil sie nicht unabhängig sind.»

Seine Prognose ist düster. «Sie werden nicht die einfachsten Funktionen der F-35 streichen, sondern die komplexesten», sagt er. Etwa die Fähigkeit, in Echtzeit ein Lagebild aus Daten zu erstellen und es mit den Streit­kräften am Boden teilen zu können. «Das war das Verkaufs­argument für die F-35, und dafür haben die Kunden einen Aufpreis bezahlt.»

Der Begriff «Kampf­flugzeug der fünften Generation» erweise sich als leerer Marketing­spruch. Bestenfalls werde die F-35 nun eine leicht verbesserte Version eines Flugzeugs der vierten Generation sein, sagt Grazier: «Die Kunden zahlen aber immer noch einen Aufpreis und werden später nochmals Geld ausgeben müssen für die Nach­rüstung. Ist das ein guter Deal? Ich glaube nicht.»

Im zuständigen Bundesamt für Rüstung Arma­suisse herrscht derweil Funkstille. Fragen der Republik zum neuen F-35-Bericht aus den USA lässt die Behörde unbeantwortet. Sie war verantwortlich für die Kampfjet­evaluation, aus der die F-35 als der beste und kosten­günstigste Jet hervorging. Sie siegte über die französische Rafale, den deutschen Euro­fighter und die US-amerikanische F/A-18 Super Hornet.

Doch wie sich nun herausstellt, verglich das Bundesamt diese Flugzeug­typen mit einer Fata Morgana.

Dabei kommt das Debakel nicht vollkommen überraschend. Dass die F-35 mit Entwicklungs­problemen kämpft, ist seit Jahren dokumentiert und öffentlich einsehbar. Als der Bundesrat den Typen­entscheid fällte, lagen zahlreiche Berichte des US-Rechnungshofs zu Verspätungen und Kosten­überschreitungen bei der F-35 vor. Diese Probleme führten zu hitzigen Diskussionen im US-Kongress und Frustration im Pentagon; der scheidende US-Verteidigungs­minister aus der ersten Trump-Regierung betitelte die F-35 Anfang 2021 sogar als «Stück Scheisse». Erfahrungen aus anderen Ländern wiesen darauf hin, dass der Tarnkappen­jet im Einsatz horrend teuer war. Bundesrätin Viola Amherd tat diese Informationen lapidar als «Gerüchte» ab: «Wir haben verbindliche Offerten, wir halten uns an die Fakten, die bei uns auf dem Tisch liegen. Alles andere wäre nicht seriös.»

Die «Fakten» sind heute Makulatur. Die neu ausgelieferten Tarnkappen­flugzeuge sind derzeit nicht kampffähig, weil das Modernisierungs­programm harzt. Das Kampfflug­zeug soll ein neues Radar­system sowie bessere Sensoren erhalten und somit feindliche Radare und Ziele besser identifizieren können. Die Basis dafür ist ein neues Computer­system, mit dem Hard- und Software erneuert werden soll. Es ist seit Jahren verspätet.

Die Folgen sind gravierend. Wie der aktuellste Bericht der technischen Testbehörde des Pentagons aus dem Jahr 2024 zeigt, sind die F-35 nur die Hälfte der Zeit verfügbar, Tendenz sinkend. Sie müssen nach Einsätzen immer früher in die Reparatur. Die Leistung des F-35-Kampfjets liege «unter den Anforderungen», urteilt die Behörde. Im US-Kongress macht sich Frustration breit. Der Militär­ausschuss des Repräsentanten­hauses verlangt (letzte zwei Seiten des Protokolls) vom Pentagon bis spätestens im kommenden Februar aufdatierte Informationen zu den Verspätungen, den Kostenüber­schreitungen und zur reduzierten Leistung der neuen Kampfflieger.

Ausserdem plagen zwei grundsätzliche Probleme die Modernisierung des Hightech­jets weiterhin. Das Triebwerk heizt sich zu stark auf, wodurch es schneller verschleisst. Das Pentagon hat die Firma Pratt & Whitney beauftragt, den Motor zu erneuern, damit das nicht mehr geschieht. Und Kühlung und Energie­zufuhr müssen verbessert werden, um neue Funktionen des Hightech-Fliegers etwa in der elektronischen Kriegs­führung zu ermöglichen.

Für beides sind keine Lösungen parat. «Wenn das Flugzeug modernisiert werden soll, müssen der Motor und das Kühlungs­system erneuert werden. Niemand weiss, wie viel das kosten wird», sagt Bill Sweetman. Der Militäraviatik­experte verfolgt die Entwicklung der F-35 seit Beginn und hat ein Buch darüber geschrieben.

Die F-35 droht zu einem Kosten­fresser zu werden. Auch wenn der Jet eines Tages aufgerüstet ist und alle Fähigkeiten hat, wird er für den Betrieb enorm viel Geld verschlingen. Dazu gibt es einen weiteren Bericht des US-Rechnungshofs, der besagt, dass die Betriebs­kosten in den letzten fünf Jahren um 44 Prozent gestiegen sind. Dieses Geld wird für die Aufrüstung der Boden­truppen und für die Beschaffung anderer Waffen­systeme fehlen.

In der Schweiz werden rechte Sicherheits­politiker, die die F-35 bis jetzt vorbehaltlos verteidigt haben, nun nachdenklich. Auf Anfrage der Republik zum neuen Bericht aus den USA reagieren mehrere von ihnen unsicher, wollen sich zuerst informieren, bevor sie etwas sagen. Andrea Gmür, Mitte-Ständerätin und Präsidentin der sicherheits­politischen Kommission, sagt, sie frage sich, «warum der Bund neben der F-35 nicht die französische Rafale oder den deutschen Euro­fighter noch einmal als Option überprüft».

Gesprächiger sind die Linken, etwa der grüne Nationalrat Balthasar Glättli, der die Frage stellt, ob es klug sei, dass die Schweiz weiterhin Anzahlungen leiste für den abgespeckten Jet. SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf, Präsidentin der sicherheits­politischen Kommission, sagt: «Es war einfach ein falscher Entscheid, die F-35 zu kaufen. Jetzt könnte man das noch stoppen.»

Doch das will der Bundesrat nicht tun. Er warnt vor einer Lücke in der Luft­verteidigung, wenn die F/A-18-Kampfjets aus den Neunziger­jahren alters­bedingt ausgemustert werden. Hier müssten kreative Lösungen gefunden werden. Die Luftwaffe könnte sie schonen und sie länger einsetzen, indem sie weniger übt oder kleinere Flug­zeuge für Trainings und einfache luft­polizeiliche Einsätze verwendet. Die Schweiz könnte abklären, ob sie Kampf­jets leasen kann, wie es Tschechien tut mit dem Gripen. Oder ob sie Occasions­flugzeuge beschaffen will, wie es Kroatien macht mit der Rafale. Das würde Zeit schaffen, bis sie die Luft­verteidigung neu aufstellen kann.

Die neue sicherheits­politische Lage erfordert ein grund­sätzliches Umdenken, auch bei den Linken. Dieses findet ansatzweise auch statt. SP-Nationalrätin Seiler Graf sagt einen Satz, den sie früher nie gesagt hätte: «Rückblickend hätte man dem Gripen wohl zustimmen sollen.»

Was die Beschaffung noch heikler macht, ist die bange Frage, ob die USA noch verlässlich sind. Gerade für die F-35 ist dies von vitaler Bedeutung. Jeder F-35-Kampfjet hat einen Aktivierungs­code, der auf Rechnern des Luftwaffen­stützpunkts Eglin in Florida programmiert wird. Und er fliegt mit Software, die dort permanent aufdatiert werden muss. «Diese sogenannten mission data files werden laufend aufdatiert und sind für den Einsatz der Kampfjets weltweit entscheidend», sagt Sicherheits­experte Dan Grazier. Wenn im Krisenfall die Unterstützung aus der Air-Force-Basis in Eglin fehle, werde es innert Tagen sehr schwierig. «Die Kampfjets können dann Ziele nicht mehr identifizieren und feindliche Radare nicht mehr sehen.»

Wenn Putin-Freund Donald Trump will, stehen die Kampf­jets also still. Der US-Aviatik­experte und gebürtige Brite Bill Sweetman hat da keine Zweifel: «Wer Risiken vermeiden will, kauft keine Rüstungs­güter mehr aus den USA, und schon gar nicht die F-35.»

Im Pentagon wird es zunehmend dunkel. Die technische Test­behörde des Ministeriums – in den 1980er-Jahren vom Kongress geschaffen, weil Daten fingiert wurden – ist vom gegenwärtigen US-Verteidigungs­minister Pete Hegseth massiv zusammen­gestrichen worden. Und der Kongress ist gerade daran, die Mittel des Rechnungs­hofs, der als Aufsichts­organ fungiert, zu halbieren. Das heisst auch, dass es künftig weniger unabhängige Informationen geben wird zu den Kosten und Pannen des F-35-Tarnkappen­kampfjets, der wohl teuersten Waffe in der Geschichte der USA.

 

Danke JPG für diesen sehr interssanten informativen Bericht. Für eine längere Antwort fehlt mir momentan die Zeit - bin am Vorbereiten der morgigen Gruppenreise ins Tessin.

Kurz: Wichtig ist eine rasche Bereitstellung von Abwehrwaffen gegen (Langstrecken)-Drohnen und (Hyperschall)-Raketen - und dies zu einem vernünftigen Preis. Das ist zZt noch wichtiger als hochkarätige Kampfflugzeuge. Auf die Beschaffung der F-35 sollte verzichtet werden - durchaus unter Verlust der getätigten Anzahlungen.

Rolf / Rollo85