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F-35
Zitat von JPG am 24. September 2025, 17:36 UhrIch kopiere hier einen Artikel aus der "Republik" zu diesem unglaublichen Thema. Viel Vergnügen beim (langen) Lesen und haltet den Ärger etwas zurück, er ist ungesund !
Teurer, schlechter, später
Gemäss Bundesrat ist der Kauf des F-35-Kampfjets immer noch alternativlos. Dagegen spricht ein neuer US-Bericht, der zeigt: Das Hightech-Flugzeug wird nicht nur teurer sein als geplant, sondern auch weniger Fähigkeiten haben.
Wer wissen will, wie es um die F-35 steht, muss nur schauen, was die Hauptkundin des Tarnkappenkampfjets tut, die US Air Force. Sie will für das kommende Jahr nur noch halb so viele Flugzeuge beschaffen wie geplant, lediglich 12 Stück. Der Jet sei derzeit nicht kriegstauglich, sagte David Allvin, Generalstabschef der US-Luftwaffe, im Juli: «Weil wir begrenzte finanzielle Ressourcen haben, müssen wir sicher sein, dass die von uns gekauften F-35 den Bedrohungen gewachsen sind.»
Die US-Luftwaffe erachtet die F-35, die der Rüstungskonzern Lockheed Martin seit zwei Jahren ausliefert, als nicht kampffähig. Sie hat sich zuerst geweigert, diese abzunehmen, tut es aus Sicherheitsgründen aber seit einem Jahr wieder. Inzwischen sind 174 nicht einsatzbereite neue F-35 in den Hangars der US Air Force parkiert. Dort warten sie, bis Lockheed Martin sie auf den erforderlichen Stand bringen kann.
Dies und viel mehr Brisantes steht in einem neuen Bericht zur F-35 des US-Rechnungshofs, des Government Accountability Office. Der Bericht birgt auch schlechte Nachrichten für die Schweiz. Gemäss den F-35-Programmverantwortlichen im US-Verteidigungsministerium werde das Modell, das die Schweiz bestellt hat, «weniger Fähigkeiten haben, verspätet sein und noch unbekannte Kosten aufweisen». Weil man zu viel versprochen hat, streicht das Pentagon nun die Funktionen des Jets zusammen. Was genau das Flugzeug nun nicht können wird, bleibt offen. Ferner ist zu lesen, dass die neuen, reduzierten F-35-Kampfjets frühestens bis 2031 ausgeliefert werden, fünf Jahre später als geplant.
In anderen Worten: Die Schweiz wird mehr bezahlen für Kampfjets, die weniger können als versprochen.
«Es ist, als würden Sie ein neues iPhone kaufen. Wenn Sie es erhalten, kann es nicht, was Ihnen versprochen wurde. Damit es das kann, müssen Sie später noch mehr bezahlen», sagt Dan Grazier. Der frühere Marineoffizier ist Experte für Sicherheitspolitik beim Thinktank Stimson Center und verfolgt die Entwicklung der F-35 seit mehr als zehn Jahren.
Er sei der «freieste Mann in Washington D.C.», scherzt er im Gespräch mit der Republik: «Ich kann sagen, was alle denken und wissen, aber nicht sagen können, weil sie nicht unabhängig sind.»
Seine Prognose ist düster. «Sie werden nicht die einfachsten Funktionen der F-35 streichen, sondern die komplexesten», sagt er. Etwa die Fähigkeit, in Echtzeit ein Lagebild aus Daten zu erstellen und es mit den Streitkräften am Boden teilen zu können. «Das war das Verkaufsargument für die F-35, und dafür haben die Kunden einen Aufpreis bezahlt.»
Der Begriff «Kampfflugzeug der fünften Generation» erweise sich als leerer Marketingspruch. Bestenfalls werde die F-35 nun eine leicht verbesserte Version eines Flugzeugs der vierten Generation sein, sagt Grazier: «Die Kunden zahlen aber immer noch einen Aufpreis und werden später nochmals Geld ausgeben müssen für die Nachrüstung. Ist das ein guter Deal? Ich glaube nicht.»
Im zuständigen Bundesamt für Rüstung Armasuisse herrscht derweil Funkstille. Fragen der Republik zum neuen F-35-Bericht aus den USA lässt die Behörde unbeantwortet. Sie war verantwortlich für die Kampfjetevaluation, aus der die F-35 als der beste und kostengünstigste Jet hervorging. Sie siegte über die französische Rafale, den deutschen Eurofighter und die US-amerikanische F/A-18 Super Hornet.
Doch wie sich nun herausstellt, verglich das Bundesamt diese Flugzeugtypen mit einer Fata Morgana.
Dabei kommt das Debakel nicht vollkommen überraschend. Dass die F-35 mit Entwicklungsproblemen kämpft, ist seit Jahren dokumentiert und öffentlich einsehbar. Als der Bundesrat den Typenentscheid fällte, lagen zahlreiche Berichte des US-Rechnungshofs zu Verspätungen und Kostenüberschreitungen bei der F-35 vor. Diese Probleme führten zu hitzigen Diskussionen im US-Kongress und Frustration im Pentagon; der scheidende US-Verteidigungsminister aus der ersten Trump-Regierung betitelte die F-35 Anfang 2021 sogar als «Stück Scheisse». Erfahrungen aus anderen Ländern wiesen darauf hin, dass der Tarnkappenjet im Einsatz horrend teuer war. Bundesrätin Viola Amherd tat diese Informationen lapidar als «Gerüchte» ab: «Wir haben verbindliche Offerten, wir halten uns an die Fakten, die bei uns auf dem Tisch liegen. Alles andere wäre nicht seriös.»
Die «Fakten» sind heute Makulatur. Die neu ausgelieferten Tarnkappenflugzeuge sind derzeit nicht kampffähig, weil das Modernisierungsprogramm harzt. Das Kampfflugzeug soll ein neues Radarsystem sowie bessere Sensoren erhalten und somit feindliche Radare und Ziele besser identifizieren können. Die Basis dafür ist ein neues Computersystem, mit dem Hard- und Software erneuert werden soll. Es ist seit Jahren verspätet.
Die Folgen sind gravierend. Wie der aktuellste Bericht der technischen Testbehörde des Pentagons aus dem Jahr 2024 zeigt, sind die F-35 nur die Hälfte der Zeit verfügbar, Tendenz sinkend. Sie müssen nach Einsätzen immer früher in die Reparatur. Die Leistung des F-35-Kampfjets liege «unter den Anforderungen», urteilt die Behörde. Im US-Kongress macht sich Frustration breit. Der Militärausschuss des Repräsentantenhauses verlangt (letzte zwei Seiten des Protokolls) vom Pentagon bis spätestens im kommenden Februar aufdatierte Informationen zu den Verspätungen, den Kostenüberschreitungen und zur reduzierten Leistung der neuen Kampfflieger.
Ausserdem plagen zwei grundsätzliche Probleme die Modernisierung des Hightechjets weiterhin. Das Triebwerk heizt sich zu stark auf, wodurch es schneller verschleisst. Das Pentagon hat die Firma Pratt & Whitney beauftragt, den Motor zu erneuern, damit das nicht mehr geschieht. Und Kühlung und Energiezufuhr müssen verbessert werden, um neue Funktionen des Hightech-Fliegers etwa in der elektronischen Kriegsführung zu ermöglichen.
Für beides sind keine Lösungen parat. «Wenn das Flugzeug modernisiert werden soll, müssen der Motor und das Kühlungssystem erneuert werden. Niemand weiss, wie viel das kosten wird», sagt Bill Sweetman. Der Militäraviatikexperte verfolgt die Entwicklung der F-35 seit Beginn und hat ein Buch darüber geschrieben.
Die F-35 droht zu einem Kostenfresser zu werden. Auch wenn der Jet eines Tages aufgerüstet ist und alle Fähigkeiten hat, wird er für den Betrieb enorm viel Geld verschlingen. Dazu gibt es einen weiteren Bericht des US-Rechnungshofs, der besagt, dass die Betriebskosten in den letzten fünf Jahren um 44 Prozent gestiegen sind. Dieses Geld wird für die Aufrüstung der Bodentruppen und für die Beschaffung anderer Waffensysteme fehlen.
In der Schweiz werden rechte Sicherheitspolitiker, die die F-35 bis jetzt vorbehaltlos verteidigt haben, nun nachdenklich. Auf Anfrage der Republik zum neuen Bericht aus den USA reagieren mehrere von ihnen unsicher, wollen sich zuerst informieren, bevor sie etwas sagen. Andrea Gmür, Mitte-Ständerätin und Präsidentin der sicherheitspolitischen Kommission, sagt, sie frage sich, «warum der Bund neben der F-35 nicht die französische Rafale oder den deutschen Eurofighter noch einmal als Option überprüft».
Gesprächiger sind die Linken, etwa der grüne Nationalrat Balthasar Glättli, der die Frage stellt, ob es klug sei, dass die Schweiz weiterhin Anzahlungen leiste für den abgespeckten Jet. SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf, Präsidentin der sicherheitspolitischen Kommission, sagt: «Es war einfach ein falscher Entscheid, die F-35 zu kaufen. Jetzt könnte man das noch stoppen.»
Doch das will der Bundesrat nicht tun. Er warnt vor einer Lücke in der Luftverteidigung, wenn die F/A-18-Kampfjets aus den Neunzigerjahren altersbedingt ausgemustert werden. Hier müssten kreative Lösungen gefunden werden. Die Luftwaffe könnte sie schonen und sie länger einsetzen, indem sie weniger übt oder kleinere Flugzeuge für Trainings und einfache luftpolizeiliche Einsätze verwendet. Die Schweiz könnte abklären, ob sie Kampfjets leasen kann, wie es Tschechien tut mit dem Gripen. Oder ob sie Occasionsflugzeuge beschaffen will, wie es Kroatien macht mit der Rafale. Das würde Zeit schaffen, bis sie die Luftverteidigung neu aufstellen kann.
Die neue sicherheitspolitische Lage erfordert ein grundsätzliches Umdenken, auch bei den Linken. Dieses findet ansatzweise auch statt. SP-Nationalrätin Seiler Graf sagt einen Satz, den sie früher nie gesagt hätte: «Rückblickend hätte man dem Gripen wohl zustimmen sollen.»
Was die Beschaffung noch heikler macht, ist die bange Frage, ob die USA noch verlässlich sind. Gerade für die F-35 ist dies von vitaler Bedeutung. Jeder F-35-Kampfjet hat einen Aktivierungscode, der auf Rechnern des Luftwaffenstützpunkts Eglin in Florida programmiert wird. Und er fliegt mit Software, die dort permanent aufdatiert werden muss. «Diese sogenannten mission data files werden laufend aufdatiert und sind für den Einsatz der Kampfjets weltweit entscheidend», sagt Sicherheitsexperte Dan Grazier. Wenn im Krisenfall die Unterstützung aus der Air-Force-Basis in Eglin fehle, werde es innert Tagen sehr schwierig. «Die Kampfjets können dann Ziele nicht mehr identifizieren und feindliche Radare nicht mehr sehen.»
Wenn Putin-Freund Donald Trump will, stehen die Kampfjets also still. Der US-Aviatikexperte und gebürtige Brite Bill Sweetman hat da keine Zweifel: «Wer Risiken vermeiden will, kauft keine Rüstungsgüter mehr aus den USA, und schon gar nicht die F-35.»
Im Pentagon wird es zunehmend dunkel. Die technische Testbehörde des Ministeriums – in den 1980er-Jahren vom Kongress geschaffen, weil Daten fingiert wurden – ist vom gegenwärtigen US-Verteidigungsminister Pete Hegseth massiv zusammengestrichen worden. Und der Kongress ist gerade daran, die Mittel des Rechnungshofs, der als Aufsichtsorgan fungiert, zu halbieren. Das heisst auch, dass es künftig weniger unabhängige Informationen geben wird zu den Kosten und Pannen des F-35-Tarnkappenkampfjets, der wohl teuersten Waffe in der Geschichte der USA.
Ich kopiere hier einen Artikel aus der "Republik" zu diesem unglaublichen Thema. Viel Vergnügen beim (langen) Lesen und haltet den Ärger etwas zurück, er ist ungesund !
Teurer, schlechter, später
Gemäss Bundesrat ist der Kauf des F-35-Kampfjets immer noch alternativlos. Dagegen spricht ein neuer US-Bericht, der zeigt: Das Hightech-Flugzeug wird nicht nur teurer sein als geplant, sondern auch weniger Fähigkeiten haben.
Wer wissen will, wie es um die F-35 steht, muss nur schauen, was die Hauptkundin des Tarnkappenkampfjets tut, die US Air Force. Sie will für das kommende Jahr nur noch halb so viele Flugzeuge beschaffen wie geplant, lediglich 12 Stück. Der Jet sei derzeit nicht kriegstauglich, sagte David Allvin, Generalstabschef der US-Luftwaffe, im Juli: «Weil wir begrenzte finanzielle Ressourcen haben, müssen wir sicher sein, dass die von uns gekauften F-35 den Bedrohungen gewachsen sind.»
Die US-Luftwaffe erachtet die F-35, die der Rüstungskonzern Lockheed Martin seit zwei Jahren ausliefert, als nicht kampffähig. Sie hat sich zuerst geweigert, diese abzunehmen, tut es aus Sicherheitsgründen aber seit einem Jahr wieder. Inzwischen sind 174 nicht einsatzbereite neue F-35 in den Hangars der US Air Force parkiert. Dort warten sie, bis Lockheed Martin sie auf den erforderlichen Stand bringen kann.
Dies und viel mehr Brisantes steht in einem neuen Bericht zur F-35 des US-Rechnungshofs, des Government Accountability Office. Der Bericht birgt auch schlechte Nachrichten für die Schweiz. Gemäss den F-35-Programmverantwortlichen im US-Verteidigungsministerium werde das Modell, das die Schweiz bestellt hat, «weniger Fähigkeiten haben, verspätet sein und noch unbekannte Kosten aufweisen». Weil man zu viel versprochen hat, streicht das Pentagon nun die Funktionen des Jets zusammen. Was genau das Flugzeug nun nicht können wird, bleibt offen. Ferner ist zu lesen, dass die neuen, reduzierten F-35-Kampfjets frühestens bis 2031 ausgeliefert werden, fünf Jahre später als geplant.
In anderen Worten: Die Schweiz wird mehr bezahlen für Kampfjets, die weniger können als versprochen.
«Es ist, als würden Sie ein neues iPhone kaufen. Wenn Sie es erhalten, kann es nicht, was Ihnen versprochen wurde. Damit es das kann, müssen Sie später noch mehr bezahlen», sagt Dan Grazier. Der frühere Marineoffizier ist Experte für Sicherheitspolitik beim Thinktank Stimson Center und verfolgt die Entwicklung der F-35 seit mehr als zehn Jahren.
Er sei der «freieste Mann in Washington D.C.», scherzt er im Gespräch mit der Republik: «Ich kann sagen, was alle denken und wissen, aber nicht sagen können, weil sie nicht unabhängig sind.»
Seine Prognose ist düster. «Sie werden nicht die einfachsten Funktionen der F-35 streichen, sondern die komplexesten», sagt er. Etwa die Fähigkeit, in Echtzeit ein Lagebild aus Daten zu erstellen und es mit den Streitkräften am Boden teilen zu können. «Das war das Verkaufsargument für die F-35, und dafür haben die Kunden einen Aufpreis bezahlt.»
Der Begriff «Kampfflugzeug der fünften Generation» erweise sich als leerer Marketingspruch. Bestenfalls werde die F-35 nun eine leicht verbesserte Version eines Flugzeugs der vierten Generation sein, sagt Grazier: «Die Kunden zahlen aber immer noch einen Aufpreis und werden später nochmals Geld ausgeben müssen für die Nachrüstung. Ist das ein guter Deal? Ich glaube nicht.»
Im zuständigen Bundesamt für Rüstung Armasuisse herrscht derweil Funkstille. Fragen der Republik zum neuen F-35-Bericht aus den USA lässt die Behörde unbeantwortet. Sie war verantwortlich für die Kampfjetevaluation, aus der die F-35 als der beste und kostengünstigste Jet hervorging. Sie siegte über die französische Rafale, den deutschen Eurofighter und die US-amerikanische F/A-18 Super Hornet.
Doch wie sich nun herausstellt, verglich das Bundesamt diese Flugzeugtypen mit einer Fata Morgana.
Dabei kommt das Debakel nicht vollkommen überraschend. Dass die F-35 mit Entwicklungsproblemen kämpft, ist seit Jahren dokumentiert und öffentlich einsehbar. Als der Bundesrat den Typenentscheid fällte, lagen zahlreiche Berichte des US-Rechnungshofs zu Verspätungen und Kostenüberschreitungen bei der F-35 vor. Diese Probleme führten zu hitzigen Diskussionen im US-Kongress und Frustration im Pentagon; der scheidende US-Verteidigungsminister aus der ersten Trump-Regierung betitelte die F-35 Anfang 2021 sogar als «Stück Scheisse». Erfahrungen aus anderen Ländern wiesen darauf hin, dass der Tarnkappenjet im Einsatz horrend teuer war. Bundesrätin Viola Amherd tat diese Informationen lapidar als «Gerüchte» ab: «Wir haben verbindliche Offerten, wir halten uns an die Fakten, die bei uns auf dem Tisch liegen. Alles andere wäre nicht seriös.»
Die «Fakten» sind heute Makulatur. Die neu ausgelieferten Tarnkappenflugzeuge sind derzeit nicht kampffähig, weil das Modernisierungsprogramm harzt. Das Kampfflugzeug soll ein neues Radarsystem sowie bessere Sensoren erhalten und somit feindliche Radare und Ziele besser identifizieren können. Die Basis dafür ist ein neues Computersystem, mit dem Hard- und Software erneuert werden soll. Es ist seit Jahren verspätet.
Die Folgen sind gravierend. Wie der aktuellste Bericht der technischen Testbehörde des Pentagons aus dem Jahr 2024 zeigt, sind die F-35 nur die Hälfte der Zeit verfügbar, Tendenz sinkend. Sie müssen nach Einsätzen immer früher in die Reparatur. Die Leistung des F-35-Kampfjets liege «unter den Anforderungen», urteilt die Behörde. Im US-Kongress macht sich Frustration breit. Der Militärausschuss des Repräsentantenhauses verlangt (letzte zwei Seiten des Protokolls) vom Pentagon bis spätestens im kommenden Februar aufdatierte Informationen zu den Verspätungen, den Kostenüberschreitungen und zur reduzierten Leistung der neuen Kampfflieger.
Ausserdem plagen zwei grundsätzliche Probleme die Modernisierung des Hightechjets weiterhin. Das Triebwerk heizt sich zu stark auf, wodurch es schneller verschleisst. Das Pentagon hat die Firma Pratt & Whitney beauftragt, den Motor zu erneuern, damit das nicht mehr geschieht. Und Kühlung und Energiezufuhr müssen verbessert werden, um neue Funktionen des Hightech-Fliegers etwa in der elektronischen Kriegsführung zu ermöglichen.
Für beides sind keine Lösungen parat. «Wenn das Flugzeug modernisiert werden soll, müssen der Motor und das Kühlungssystem erneuert werden. Niemand weiss, wie viel das kosten wird», sagt Bill Sweetman. Der Militäraviatikexperte verfolgt die Entwicklung der F-35 seit Beginn und hat ein Buch darüber geschrieben.
Die F-35 droht zu einem Kostenfresser zu werden. Auch wenn der Jet eines Tages aufgerüstet ist und alle Fähigkeiten hat, wird er für den Betrieb enorm viel Geld verschlingen. Dazu gibt es einen weiteren Bericht des US-Rechnungshofs, der besagt, dass die Betriebskosten in den letzten fünf Jahren um 44 Prozent gestiegen sind. Dieses Geld wird für die Aufrüstung der Bodentruppen und für die Beschaffung anderer Waffensysteme fehlen.
In der Schweiz werden rechte Sicherheitspolitiker, die die F-35 bis jetzt vorbehaltlos verteidigt haben, nun nachdenklich. Auf Anfrage der Republik zum neuen Bericht aus den USA reagieren mehrere von ihnen unsicher, wollen sich zuerst informieren, bevor sie etwas sagen. Andrea Gmür, Mitte-Ständerätin und Präsidentin der sicherheitspolitischen Kommission, sagt, sie frage sich, «warum der Bund neben der F-35 nicht die französische Rafale oder den deutschen Eurofighter noch einmal als Option überprüft».
Gesprächiger sind die Linken, etwa der grüne Nationalrat Balthasar Glättli, der die Frage stellt, ob es klug sei, dass die Schweiz weiterhin Anzahlungen leiste für den abgespeckten Jet. SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf, Präsidentin der sicherheitspolitischen Kommission, sagt: «Es war einfach ein falscher Entscheid, die F-35 zu kaufen. Jetzt könnte man das noch stoppen.»
Doch das will der Bundesrat nicht tun. Er warnt vor einer Lücke in der Luftverteidigung, wenn die F/A-18-Kampfjets aus den Neunzigerjahren altersbedingt ausgemustert werden. Hier müssten kreative Lösungen gefunden werden. Die Luftwaffe könnte sie schonen und sie länger einsetzen, indem sie weniger übt oder kleinere Flugzeuge für Trainings und einfache luftpolizeiliche Einsätze verwendet. Die Schweiz könnte abklären, ob sie Kampfjets leasen kann, wie es Tschechien tut mit dem Gripen. Oder ob sie Occasionsflugzeuge beschaffen will, wie es Kroatien macht mit der Rafale. Das würde Zeit schaffen, bis sie die Luftverteidigung neu aufstellen kann.
Die neue sicherheitspolitische Lage erfordert ein grundsätzliches Umdenken, auch bei den Linken. Dieses findet ansatzweise auch statt. SP-Nationalrätin Seiler Graf sagt einen Satz, den sie früher nie gesagt hätte: «Rückblickend hätte man dem Gripen wohl zustimmen sollen.»
Was die Beschaffung noch heikler macht, ist die bange Frage, ob die USA noch verlässlich sind. Gerade für die F-35 ist dies von vitaler Bedeutung. Jeder F-35-Kampfjet hat einen Aktivierungscode, der auf Rechnern des Luftwaffenstützpunkts Eglin in Florida programmiert wird. Und er fliegt mit Software, die dort permanent aufdatiert werden muss. «Diese sogenannten mission data files werden laufend aufdatiert und sind für den Einsatz der Kampfjets weltweit entscheidend», sagt Sicherheitsexperte Dan Grazier. Wenn im Krisenfall die Unterstützung aus der Air-Force-Basis in Eglin fehle, werde es innert Tagen sehr schwierig. «Die Kampfjets können dann Ziele nicht mehr identifizieren und feindliche Radare nicht mehr sehen.»
Wenn Putin-Freund Donald Trump will, stehen die Kampfjets also still. Der US-Aviatikexperte und gebürtige Brite Bill Sweetman hat da keine Zweifel: «Wer Risiken vermeiden will, kauft keine Rüstungsgüter mehr aus den USA, und schon gar nicht die F-35.»
Im Pentagon wird es zunehmend dunkel. Die technische Testbehörde des Ministeriums – in den 1980er-Jahren vom Kongress geschaffen, weil Daten fingiert wurden – ist vom gegenwärtigen US-Verteidigungsminister Pete Hegseth massiv zusammengestrichen worden. Und der Kongress ist gerade daran, die Mittel des Rechnungshofs, der als Aufsichtsorgan fungiert, zu halbieren. Das heisst auch, dass es künftig weniger unabhängige Informationen geben wird zu den Kosten und Pannen des F-35-Tarnkappenkampfjets, der wohl teuersten Waffe in der Geschichte der USA.
Zitat von Rollo85 am 24. September 2025, 20:52 UhrDanke JPG für diesen sehr interssanten informativen Bericht. Für eine längere Antwort fehlt mir momentan die Zeit - bin am Vorbereiten der morgigen Gruppenreise ins Tessin.
Kurz: Wichtig ist eine rasche Bereitstellung von Abwehrwaffen gegen (Langstrecken)-Drohnen und (Hyperschall)-Raketen - und dies zu einem vernünftigen Preis. Das ist zZt noch wichtiger als hochkarätige Kampfflugzeuge. Auf die Beschaffung der F-35 sollte verzichtet werden - durchaus unter Verlust der getätigten Anzahlungen.
Rolf / Rollo85
Danke JPG für diesen sehr interssanten informativen Bericht. Für eine längere Antwort fehlt mir momentan die Zeit - bin am Vorbereiten der morgigen Gruppenreise ins Tessin.
Kurz: Wichtig ist eine rasche Bereitstellung von Abwehrwaffen gegen (Langstrecken)-Drohnen und (Hyperschall)-Raketen - und dies zu einem vernünftigen Preis. Das ist zZt noch wichtiger als hochkarätige Kampfflugzeuge. Auf die Beschaffung der F-35 sollte verzichtet werden - durchaus unter Verlust der getätigten Anzahlungen.
Rolf / Rollo85