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Drei-Pässe-Fahrt

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Noch einmal, wahrscheinlich zum letzten Mal, habe ich mich mit meiner Frau auf die anstrengende Autotour gewagt.  Drei Alpenpässe, Grimsel - Furka - Susten, jeweils über 2100 Meter Höhe an einem Tag. Von zu Hause aus und zurück, sagt Google-Maps, seien das rund 350 km, die in einer Fahrzeit von gut fünf Stunden zu bewältigen wären.

An diesem vermutlich letzten Sommertag fuhren wir mit dem Ziel Grimselpass morgens früh los und wären dann dort wieder umgekehrt, sollte es uns zu viel werden. Nach einem Etappenhalt in Meiringen, gelangten wir gegen Mittag am Grimsel-Hospiz an. Eine kleine Mahlzeit stärkte unsere Reiselust und so wagten wir die Weiterfahrt hinunter nach Gletsch und mit Zwischenhalt am Rhone-Gletscher hinauf auf die Furka. Die jetzt herbstlich rötlich gefärbten Beerenkräuter über der Baumgrenze bedecken noch ohne Schnee die Berghänge. So war die Fahrt durchs Urserental hinunter und durchs Meiental wieder hinauf zum Sustenpass ein Genuss. Beim letzten Halt am Steingletscher konnte ich mich nochmals für die letzte Strecke stärken und müde aber glücklich kamen wir noch vor dem Einnachten zu Hause an.

Eine Menge Bilder von unterwegs schlummern im Dateispeicher. Aber lohnt sich der Aufwand, sie hier hochzuladen, bei dem zu erwartenden Interesse?

Sicher, Erwin, lohnt sich der Aufwand. Der Dank von Dutzenden von Beschauern istDir  garantiert, .... nur wird er Dich kaum oder nie erreichen.

Deine Frage ist berechtigt, Erwin. Aber diejenigen, die sie anschauen werden, sind treue Geniesser solcher Beiträge. Ich gehöre zu den interessierten Betrachtern. Für Dich aufwendig die ganze Prozedur, da nur in Etappen hochgeladen werden kann, und gesamthaft viel Zeit und Konzentration notwendig sein wird.

Danke so oder so.

Rolf  😛

Zwischenhalt in Meiringen

Der Besuch der altehrwürdigen Dorfkirche von Meiringen, war mir schon lange ein Bedürfnis, der jetzt mit der Drei-Pässe-Tour möglich war und einen willkommenen Zwischenhalt bot. Abseits der Hauptstrasse, hinten im Dorf, ist zuerst die Zeughauskapelle zu sehen.

1486 wurde die zweigeschossige Frühmesskapelle am Eingang des Kirchhofs gebaut. Das Untergeschoss diente als Beinhaus. Sie wurde mit der Reformation 1528 profaniert und als Zeughaus benutzt, daher der Name. Heute ist sie wieder als Gottesdienstraum in Gebrauch.

Etwas fremdartig mutet der hohe Glockenturm mit seinen romanischen Schallarkaden an. Er wurde vermutlich im 13. Jahrhundert frei stehend wie ein italienischer Campanile erbaut und im Laufe der Jahrhunderte durch Murgänge bis fünf Meter hoch mit Geröll aufgeschüttet.

Südwand mit Fensterlaibungen von Vorgängerkirchen, Fresko des Kirchenpatrons Michael und Petrus.

Inneres mit der speziellen Decke und der Orgel im Chor.

Taufstein aus einer Vorgängerkirche, Orgel mit barockem Prospekt und Fenster von Ernst Link

Detail vom Chorgestühl aus der Umbauphase 1915/16

Die Kirche in der heutigen Gestalt wurde 1684 nach Plänen vom Berner Werkmeister der Münster-Bauhütte Abraham Dünz gebaut. Als Besonderheit werden der Dachstuhl und die Decke des Kirchenschiffs genannt. Der einheimische Zimmermeister Melker Gehren hatte angeblich in Hamburg als Zimmermannsgeselle an Segelschiffen sein Handwerkskönnen erweitert und dann zu Hause für die neue Kirche angewandt.

Unter der Kirche sind Ausgrabungen von Vorgängerkirchen zu besichtigen. 1915/16 entdeckte man bei archäologischen Untersuchungen unter 5 Metern Schutt Baureste von mehreren Vorgängerkirchen bis in 9.-10. Jh. zurück. Seit 2005 ist das Ergebnis der Forschung frei zugänglich. Wenigstens sieben Murgänge konnten nachgewiesen werden, die durch die Wildbachkatastrophen vom Alpbach, Dorfbach und Mühlebach herrührten. Übereinander fand man Reste von mehreren Bauphasen. Wenn wieder einmal die Kirche durch eine Mure zerstört war, ebneten die Leute den Platz aus und bauten eine neue Kirche. Möglicherweise könnte noch in neun Metern Tiefe eine ältere Kirche gestanden haben, aber das wird wohl niemand mehr herausfinden.

Hier drängt sich der Vergleich mit dem Bergsturz von Blatten im Lötschental auf. Auch dort lässt man sich nicht entmutigen und will neu aufbauen. Aber man wird es kaum auf der Schutthalde tun, man hat aus den Katastrophen gelernt.

Anders war es in Meiringen, dort hat man sich einfach dem Schicksal gefügt und vielleicht wurde die Erzählung aus der Bibel von Noa und seiner Arche als tröstlich angesehen.

Noa, der nach der glücklichen Landung Reben pflanzte und danach "die Kraft des Weines nicht erkannte", wird von seinen Söhnen, wegen seiner unwürdigen Blösse, mit einem Mantel bedeckt.

Man kann das Fresko von Noas Geschichte unter der Empore wie bei einem modernen Comic betrachten und sich danach unter dem umgestülpten Schiffsrumpf der Kirchendecke sicher fühlen.

Herzlichen Dank, Erwin, so guet! Danke für die wertvollen Texte dazu. Für mich eine schöne Bereicherung.

Rolf / Rollo85

Züglete

Ohne Verzögerung wollten wir weiterfahren, nachdem wir noch ein Haslitaler-Holzofenbrot für den Abend gekauft hatten. Doch kurz vor dem Kreisel bei der Aarebrücke geriet der Verkehr ins Stocken. Die gegen die Grimsel strebenden Fahrzeuge, Biker, Camions und PKWs standen still.

Eine unerwartete und sehr freudvolle Überraschung vor der langen Fahrt zur Passhöhe. Ein Alpabzug kam da entgegen und blockierte vorübergehend die Strasse.

Zu vorderst die Jüngsten mit dem Leiterwägeli und dann die stolzen Sennerinnen und Hüterbuben, alle in der Sonntagstracht. Sie hatten viel zu tun, die geschmückten Kühe, ihre „Läbwaar“ auf der Linie zu halten.

Der Alpsommer ist vorbei, ein wenig Wehmut macht der Freude, dass alle gesund wieder daheim sind, gerne Platz.

Wir aber mussten zum Glück nicht lange den Holztransportern hinterherfahren, sie liessen die lange Kolonne überholen. Und so konnte ich flüssig die vielen Kurven geniessen.

PS: Ein ausführlicher Aufsatz über eine Züglete von der Alp Gental ist auf der Site vom Kraftwerk zu lesen.

Grimsel Hospiz

Die allermeisten Passfahrer streben direkt den höchsten Punkt des Passübergangs an und finden sich dort unter den vielen anderen Touristen wieder. Viel angenehmer ist die Mittagsrast beim alten Hospiz auf dem Nollen zwischen den Armen des Grimselsees.

Man muss die Hauptstrasse verlassen und über die Krone der Seeufereggsperre auf holprigen Betonplatten hinüberfahren, dort um das Hotel sollten immer genügend Parkplätze frei sein.

Gemeinfreies Bild aus ETH-Bibliothek von 1931. Das alte Hotel wird überflutet, darüber noch die alte Niklaus-Kapelle.

Vor dem Bau der Staumauern 1925, gab es bereits ein seit 1520 bezeugtes Hospiz mit einer Kapelle, das dann in den Fluten versank und dafür entstand als Ersatz das jetzige Grimsel-Hospiz. An den Säumerwegen über die Alpenpässe hatte man schon vor Jahrhunderten Herbergen eingerichtet. Hier an der Grimsel nannte man dieses Hospiz „Spittel“ und den Gastwirt „Spitteler“. Der war verpflichtet, den Reisenden Unterkunft und Verpflegung zu bieten.

Der andere Staudamm, der „Spittellammdamm“ hat nun seit diesem Jahr eine neue Mauer davor erhalten. Das grosse Bauvorhaben gab viel zu reden. Eigentlich sollte sie das bestehende Werk um mehrere Meter überragen, um ein grösseres Stauvolumen zu erreichen, aber wegen Naturschutz-Einsprachen hat KWO darauf verzichtet und die Mauer nur mit der Option einer späteren Erhöhung gebaut. Mittlerweile hat das Wasser die Stauhöhe ausgeglichen.

Der kuriose Name des Staudamms mit einem Doppel „tt“, einem Doppel „ll“ und zwei Doppel „mm“ wird erstens auf das „Spittel“ bezogen und zweitens auf die tiefe Schlucht der jungen Aare. Im regionalen Dialekt wurden solche Schluchten „Lamm“ oder „Chlamm“ genannt, ähnlich wie in Bayern die „Klamm“. Das nur nebenbei.

Auf der Terrasse des Hotels war an diesem Mittag noch nicht viel los, wir wurden freundlich empfangen und rasch bedient. In den ehemaligen Garagen darunter ist noch die Kantine für die Bauarbeiter eingerichtet. Die wird bald nicht mehr nötig sein.

Das Dach der kleinen Kapelle wird gerade noch vor dem Winter neu gedeckt. Leider sind die Gerüste für den Fotografen ungünstig. Ich hätte gerne ein eigenes Bild davon gemacht.

Eine erste dem heiligen Nikolaus geweihte Kapelle wird bereits 1521 erwähnt. Diese hier liessen die Kraftwerksleute 1928 bauen. Ob dafür Teile der ehemaligen Kapelle, die noch auf dem Bild oben zu sehen ist, gebraucht wurden, ist nicht bekannt. Speziell an diesem Gebetshäuschen ist, dass sie als südlichste und einzige katholische Kapelle im sonst reformierten Kanton Bern noch besteht. Im Tourismus-Portal „Grimselwelt“ wird sie für Hochzeiten und Taufen angepriesen. Die KWO werden sie weiterhin unter ihren Schutz nehmen und pflegen.

Blick zurück mit Räterichsbodensee.

Grimselsee mit Finsteraarhorn.

Oben auf der Passhöhe, bereits auf Walliser Boden, steht eine weitere Kapelle, die im nächsten Teil erscheinen wird.

Grimselpass

Noch ein paar Kehren und einige Höhemeter sind von der Seeufereggsperre hinauf zum Pass zu erklimmen, kein Problem für unser kleines Auto.

Den Touristen-Andrang beim Kiosk, den Murmelis und den Bergkristallen haben wilinks und rechts liegen gelassen und beim Grimselhotel einen Parkplatz gefunden.

Passhöhe, Hotel und Totensee

Nur wenige Schritte noch bis zur Kapelle

Hier oben sind wir bereits auf Walliser Boden, deshalb muss man sich nicht wundern, wenn hier eine solch schöne Kapelle aufwändig gebaut wurde. Gerne haben auch wir, wie so viele vor und nach uns, darin einen Moment der Besinnung gehalten.

Die Tafel erspart mir nähere Erklärungen.

Ein Granitsteinsockel in Form einer Taube trägt den Altartisch.

Vor dem Eingang noch ein Blick auf ein Christophorus-Bild. Das soll ja vor allerlei Unbill auf einer bevorstehenden Reise schützen, so ist es seit alters her überliefert. Wir hatten uns schon nach der Mittagsrast entschieden, hier nicht umzukehren, sondern weiterzufahren über die Furka. Also, nicht länger Zeit versäumen und hinunter nach Gletsch.

Danke Erwin für den tollen Bericht und die schönen Bilder.

Rhonegletscher und Furkapass

Gletsch ist, wie der Name vermuten lässt, nach dem ehemals nahen Rhonegletscher benannt. Dort ist der unterste Punkt zwischen den zwei Alpenpässen Grimsel und Furka. Gletsch ist das oberste Dorf im Goms und dort ist auch die letzte Bahnstation der Furkabahn bevor sie über die Bergstrecke klettert.

Zwischen der gerade eingerüsteten Anglikanischen Kapelle von 1908 und dem jetzt als Museum um sein Überleben kämpfenden, ehemaligen Hotelbau wäre der mächtige Rhonegletscher zu sehen, wenn wir vor 150 Jahren hier gewesen wären.

Gletsch um 1900, rechts das Museum vom oberen Bild

Ansicht des Rhonegletschers um 1910. rechts oben Furkapass und darunter Belvedere - Eisgrotte

Gletsch, Anglikanische Kirche und Rhonegletscher, um 1974. Bild: Anidaat, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die historischen Bilder zeigen noch, wie es damals aussah.

An der viel befahrenen Strasse gibt es nur wenige Ausstellflächen, von wo man ein Foto machen könnte. Am gegenüberliegen Berg kommt die Strasse von der Grimsel herunter.

Erst am Hotel Belvedere kann man, wenn man Glück oder Geduld hat, einen Parkplatz finden. Dort konnten auch wir die Fahrt unterbrechen und uns die legendäre Eisgrotte im Gletscher ansehen – wenn sie überhaupt noch da wäre.

Zuvor noch der Rückblick ins Tal der jungen Rhone, die eigentlich hier noch für eine längere Strecke Rotten heisst.

Mit viel Rauch quält sich eine Dampflok den Berg hoch, mit vier Waggons im Schlepp ist das schon eine rechte Leistung. Wenn man bedenkt, dass es wesentlich leichter unten durch, durch den Tunnel gehen würde.

Kostenpflichtig ist der Besuch der Gletscherhöhle, man muss im Souvenir-shop den Eingang durch die Schleuse kaufen. Dafür kann man den gut unterhaltenen Wanderweg hinüber zur Eisgrotte gefahrlos angehen.

Weiter geht es morgen.

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