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Aus alten Zeiten
Zitat von Erwin am 2. Mai 2025, 8:58 UhrAus der "Berner Woche" anfangs Mai 1913
Sollte jemand mit der alten Schrift Mühe haben, eine Übersetzung folgt hier anschliessend:
Die Alleen um Bern.
Historische Bilder von Dr. A. Zesiger. 3. Mai 1913
Die Reisehandbücher unserer Großväter, die „topographischen Beschreibungen", pflegten zu recht beschaulichen Genüssen einzuladen. Schon in ihrer Anlage viel breitspuriger, machten diese Führer auf Sehenswürdigkeiten und Anziehungspunkte aufmerksam, die man heute vergeblich bei Bädeker suchen würde. Denn der Reisende von anno dazumal fuhr mit der Post und hatte mächtig viel Zeit, langsam kam er von Ort zu Ort, und seine Sommerfrische dauerte erheblich länger als die heutigen drei oder vier Wochen. — Dafür sind diese alten Reisehandbücher für den Kulturhistoriker wahre Fundgruben, in denen er umso lieber schöpft, als ihm ja Biedermeiers Zeitalter und Lebensweise viel nähersteht als graues Altertum und ferne Gegenden.Kam etwa ums Jahr 1730 der Reisende nach Bern, so langte er weidlich durchgerüttelt drunten beim Untertor oder oben beim Christoffelturm an. Sein Wagen war über schlechte Straßen geholpert und der tiefe Schmutz hatte eine dicke Kruste über die Räder gebildet oder der Staub alles in eine feine Wolke gehüllt. Gegen die sengende Sonne bot nur das Wagendach Schirm und selten, etwa in Dörfern oder deren Nähe säumten Obstbäume die Straßenseiten. Eine hohe Obrigkeit war sich dieses Uebelstands wohl bewußt und so ließ sie ungefähr um diese Zeit das ganze Bernbiet mit einem Netz vorzüglicher Straßen durchziehen, welche die Hauptstadt mit ihrer Landschaft nach allen Richtungen hin verband. Zu große Steigungen wurden verbessert und daß man keine Kosten scheute, zeigt der Aargauerstalden, der 1750—1758 gebaut wurde und über 100 000 französische Franken kostete; ihm folgte 1779—1783 der Muristalden.
Die spärlichen Nachrichten, welche mir über die Alleen zur Verfügung stehen, weisen darauf hin, daß diese bei Anlaß der erwähnten Erstellung des Straßennetzes entstanden sind. Der Plan der Umgegend von Bern 1735, verfertigt durch H. Riediger, läßt eine einzige Allee erkennen zwischen dem alten Muristalden und dem Burgerziel, im Beginn der Muristraße. 1753 pflanzte der Viererobmann Gruber die Allee in der Enge und 1757 verfügte der Kriegsrat die Pflanzung von Ulmen und Eschen als Alleebäume, da sich deren Holz vortrefflich für die Räder der Kriegsfuhrwerke und Kanonen eigne.
Im Jahre 1758 zeichnete der treffliche Oberli seine beiden „Prospecte der Stadt Bern" von der „Mittag"- und der „Morgenseite" aus aufgenommen. Deutlich sind die frischgepflanzten Bäume am Aargauerstalden und der Papiermühlestraße sichtbar, welche der Gärtner Utz im Auftrag der Gnädigen Herren ein Jahr vorher für 5 Batzen das Stück gesetzt hatte. 1784 sind auf der reizenden Stadtansicht Biedermanns von der Taube aus, die Bäume des Muristaldens zu sehen. Zehn Jahre später führt Heinzmann in seiner Beschreibung von Bern die „Spaziergänge" Enge und beide Stalden auf und nennt ausdrücklich deren Baumschmuck als Gegenstück zum baumlosen Philosophenweg. Er bedauert den Mangel an Alleen im Kanton herum und bemerkt rühmend: „Bey einigen Städten, besonders bey Bern, sind aber die Zugänge weit herum mit hochstämmigen Bäumen besetzt."
Heute sind diese Bäume schon ehrwürdige Veteranen, ihre Stammdicke läßt sie aber noch älter erscheinen, als sie wirklich sind. Die Enge, die Laupen- und Murtenstraße, die Holligenstraße, dann untenaus die Landstraßen nach der Papiermühle, nach Bolligen, Ostermundigen und Muri und die beiden großen Stalden sind alle von Baumriesen beschattet, welche die Gnädigen Herren um 1760 herum haben pflanzen lassen.
Herrlich wandelt sich's in diesen Laubhallen, wenn nicht gerade Pferderennen, Flugtage oder Fußballschlachten neben ihnen abgehalten werden und drangvolle Enge verursachen. Den Fremden wird man hier nicht finden, höchstens saust er im Auto durch; umso lieber sucht der Berner in abendlicher Kühle oder im sonntäglichen Spaziergang seine Alleen auf, wo er allein daheim ist und nicht mit dem Fremdling Aussicht und Preise teilen muß. Heinzmann sagt vernünftigerweise Spaziergang für Allee. Deshalb kommen bei ihm auch keine „Baumalleen", das heißt Baumspaziergänge oder „Alleebäume", also Spaziergangbäume vor. Das Wort Allee hat heute aber seine ursprüngliche Bedeutung erweitert und wird schier etwas mißbräuchlich angewendet in Zusammensetzungen wie Muriallee u. a. m. Gott behüte, daß wir etwa mit der Zeit das kerndeutsche „Chaussee" auch noch übernehmen!
Aus der "Berner Woche" anfangs Mai 1913


Sollte jemand mit der alten Schrift Mühe haben, eine Übersetzung folgt hier anschliessend:
Die Alleen um Bern.
Historische Bilder von Dr. A. Zesiger. 3. Mai 1913
Die Reisehandbücher unserer Großväter, die „topographischen Beschreibungen", pflegten zu recht beschaulichen Genüssen einzuladen. Schon in ihrer Anlage viel breitspuriger, machten diese Führer auf Sehenswürdigkeiten und Anziehungspunkte aufmerksam, die man heute vergeblich bei Bädeker suchen würde. Denn der Reisende von anno dazumal fuhr mit der Post und hatte mächtig viel Zeit, langsam kam er von Ort zu Ort, und seine Sommerfrische dauerte erheblich länger als die heutigen drei oder vier Wochen. — Dafür sind diese alten Reisehandbücher für den Kulturhistoriker wahre Fundgruben, in denen er umso lieber schöpft, als ihm ja Biedermeiers Zeitalter und Lebensweise viel nähersteht als graues Altertum und ferne Gegenden.
Kam etwa ums Jahr 1730 der Reisende nach Bern, so langte er weidlich durchgerüttelt drunten beim Untertor oder oben beim Christoffelturm an. Sein Wagen war über schlechte Straßen geholpert und der tiefe Schmutz hatte eine dicke Kruste über die Räder gebildet oder der Staub alles in eine feine Wolke gehüllt. Gegen die sengende Sonne bot nur das Wagendach Schirm und selten, etwa in Dörfern oder deren Nähe säumten Obstbäume die Straßenseiten. Eine hohe Obrigkeit war sich dieses Uebelstands wohl bewußt und so ließ sie ungefähr um diese Zeit das ganze Bernbiet mit einem Netz vorzüglicher Straßen durchziehen, welche die Hauptstadt mit ihrer Landschaft nach allen Richtungen hin verband. Zu große Steigungen wurden verbessert und daß man keine Kosten scheute, zeigt der Aargauerstalden, der 1750—1758 gebaut wurde und über 100 000 französische Franken kostete; ihm folgte 1779—1783 der Muristalden.
Die spärlichen Nachrichten, welche mir über die Alleen zur Verfügung stehen, weisen darauf hin, daß diese bei Anlaß der erwähnten Erstellung des Straßennetzes entstanden sind. Der Plan der Umgegend von Bern 1735, verfertigt durch H. Riediger, läßt eine einzige Allee erkennen zwischen dem alten Muristalden und dem Burgerziel, im Beginn der Muristraße. 1753 pflanzte der Viererobmann Gruber die Allee in der Enge und 1757 verfügte der Kriegsrat die Pflanzung von Ulmen und Eschen als Alleebäume, da sich deren Holz vortrefflich für die Räder der Kriegsfuhrwerke und Kanonen eigne.
Im Jahre 1758 zeichnete der treffliche Oberli seine beiden „Prospecte der Stadt Bern" von der „Mittag"- und der „Morgenseite" aus aufgenommen. Deutlich sind die frischgepflanzten Bäume am Aargauerstalden und der Papiermühlestraße sichtbar, welche der Gärtner Utz im Auftrag der Gnädigen Herren ein Jahr vorher für 5 Batzen das Stück gesetzt hatte. 1784 sind auf der reizenden Stadtansicht Biedermanns von der Taube aus, die Bäume des Muristaldens zu sehen. Zehn Jahre später führt Heinzmann in seiner Beschreibung von Bern die „Spaziergänge" Enge und beide Stalden auf und nennt ausdrücklich deren Baumschmuck als Gegenstück zum baumlosen Philosophenweg. Er bedauert den Mangel an Alleen im Kanton herum und bemerkt rühmend: „Bey einigen Städten, besonders bey Bern, sind aber die Zugänge weit herum mit hochstämmigen Bäumen besetzt."
Heute sind diese Bäume schon ehrwürdige Veteranen, ihre Stammdicke läßt sie aber noch älter erscheinen, als sie wirklich sind. Die Enge, die Laupen- und Murtenstraße, die Holligenstraße, dann untenaus die Landstraßen nach der Papiermühle, nach Bolligen, Ostermundigen und Muri und die beiden großen Stalden sind alle von Baumriesen beschattet, welche die Gnädigen Herren um 1760 herum haben pflanzen lassen.
Herrlich wandelt sich's in diesen Laubhallen, wenn nicht gerade Pferderennen, Flugtage oder Fußballschlachten neben ihnen abgehalten werden und drangvolle Enge verursachen. Den Fremden wird man hier nicht finden, höchstens saust er im Auto durch; umso lieber sucht der Berner in abendlicher Kühle oder im sonntäglichen Spaziergang seine Alleen auf, wo er allein daheim ist und nicht mit dem Fremdling Aussicht und Preise teilen muß. Heinzmann sagt vernünftigerweise Spaziergang für Allee. Deshalb kommen bei ihm auch keine „Baumalleen", das heißt Baumspaziergänge oder „Alleebäume", also Spaziergangbäume vor. Das Wort Allee hat heute aber seine ursprüngliche Bedeutung erweitert und wird schier etwas mißbräuchlich angewendet in Zusammensetzungen wie Muriallee u. a. m. Gott behüte, daß wir etwa mit der Zeit das kerndeutsche „Chaussee" auch noch übernehmen!
Zitat von Erwin am 2. April 2026, 8:39 UhrEine denkwürdige Begebenheit zum Karfreitag hat Gotthelf festgehalten:
Am Karfreitag keine brütigen Hühner.
„Aber Frau, was thust du doch unwirsch und fahrst herum, als ob du stürm an der Leber wärest?" fragte Hans, der Bauer.
Da fing Anni, seine Frau, gar jämmerlich zu weinen an und sagte: „Ach, Hans, Hans, ich weiß nicht, was das z'bedeuten hat, aber gewiß geht es uns nicht mehr gut und wir kommen um unsere Sache."
„Was hat es denn gegeben?" fragte Hans erschrocken. „Denk o, Hans, Hans, heute ist Karfreitag und ich habe kein brütiges Huhn, und solange wir hausen, habe ich am Karfreitag noch immer ein brütiges Huhn gehabt und die meisten Mal zwei. Auf keinen Tag im Jahr habe ich mich mehr geachtet, als auf den, und jetzt kein brütiges Huhn!" Und erbärmlich weinte die Frau.
„Schweig nur, Anni," sagte Hans, „es wird schon noch geben, es hat noch alle Jahre brütigi Hühner gegeben, und wird so lange geben, als die Welt steht."
„Ich sch… druf, was frage ich danach, am Karfritig will ich unterlegen, da fehlt mir nie ein Ei, und d'r Vogel nimmt m'r kes Hühntschi, und jetzt ist kei Täsche brütig", und Anni wollte sich nicht trösten lassen, geb wie Hans sagte, d'Hühner und d'r Karfreitag werden einander öppe wenig angehen. Er sei ein Uchrist und e ungläubige Hung, sagte ihm Anni.
Eine denkwürdige Begebenheit zum Karfreitag hat Gotthelf festgehalten:
Am Karfreitag keine brütigen Hühner.
„Aber Frau, was thust du doch unwirsch und fahrst herum, als ob du stürm an der Leber wärest?" fragte Hans, der Bauer.
Da fing Anni, seine Frau, gar jämmerlich zu weinen an und sagte: „Ach, Hans, Hans, ich weiß nicht, was das z'bedeuten hat, aber gewiß geht es uns nicht mehr gut und wir kommen um unsere Sache."
„Was hat es denn gegeben?" fragte Hans erschrocken. „Denk o, Hans, Hans, heute ist Karfreitag und ich habe kein brütiges Huhn, und solange wir hausen, habe ich am Karfreitag noch immer ein brütiges Huhn gehabt und die meisten Mal zwei. Auf keinen Tag im Jahr habe ich mich mehr geachtet, als auf den, und jetzt kein brütiges Huhn!" Und erbärmlich weinte die Frau.
„Schweig nur, Anni," sagte Hans, „es wird schon noch geben, es hat noch alle Jahre brütigi Hühner gegeben, und wird so lange geben, als die Welt steht."
„Ich sch… druf, was frage ich danach, am Karfritig will ich unterlegen, da fehlt mir nie ein Ei, und d'r Vogel nimmt m'r kes Hühntschi, und jetzt ist kei Täsche brütig", und Anni wollte sich nicht trösten lassen, geb wie Hans sagte, d'Hühner und d'r Karfreitag werden einander öppe wenig angehen. Er sei ein Uchrist und e ungläubige Hung, sagte ihm Anni.
Zitat von Erwin am 4. April 2026, 16:55 UhrDas könnte die Fortsetzung zu obigem sein:
Es ist kei Gspaß, we me z'Bett muß hüete u gar no drin sött Eier brüete.
So pflegte ein gliedersüchtiger Seifensieder in langjähriger Geduldübung zu seufzen, wenn ihm seine räße Ehehälfte vorhielt, wie er ein unnützes Glied des Menschengeschlechts geworden sei und Alles nur ihr obliege.Sackerdie! was soll i arbeite, wenn i keis Glied rühre cha, erwiderte der Mann ungedultig, i ha lang g'nue g'werchet, vom Morge früh bis z'Abe spath. —
Wohl fryli, sagte sie, öppis chöntist no im Bett mache. D'Hähneli hei jetzt e schöne Prys, du chönntist probiere Eier z'brüte, we du doch geng im warme Bett lyst. —
Der Versuch wurde wirklich gemacht, mißlang jedoch vollständig und als gar noch die Eier im Bette zerbrochen wurden, wollten die Vorwürfe des hässigen Weibes nicht aufhören.
Das könnte die Fortsetzung zu obigem sein:
Es ist kei Gspaß, we me z'Bett muß hüete u gar no drin sött Eier brüete.
So pflegte ein gliedersüchtiger Seifensieder in langjähriger Geduldübung zu seufzen, wenn ihm seine räße Ehehälfte vorhielt, wie er ein unnützes Glied des Menschengeschlechts geworden sei und Alles nur ihr obliege.
Sackerdie! was soll i arbeite, wenn i keis Glied rühre cha, erwiderte der Mann ungedultig, i ha lang g'nue g'werchet, vom Morge früh bis z'Abe spath. —
Wohl fryli, sagte sie, öppis chöntist no im Bett mache. D'Hähneli hei jetzt e schöne Prys, du chönntist probiere Eier z'brüte, we du doch geng im warme Bett lyst. —
Der Versuch wurde wirklich gemacht, mißlang jedoch vollständig und als gar noch die Eier im Bette zerbrochen wurden, wollten die Vorwürfe des hässigen Weibes nicht aufhören.