650 Jahre nach der Murtenschlacht

Schloss Murten
Am 22 Juni 2026 jährte sich die denkwürdige Schlacht um Murten zum sechshundertfünfzigsten Mal. Aus diesem Anlass fanden in Murten mehrere Gedenkveranstaltungen statt und auch das Berner Historische Museum widmet ihm eine besondere Ausstellung.
Was geschah damals, was waren die Gründe, was waren die Folgen und was denken wir heute darüber.
Der als Sohn von Philip III. dem Guten am 10. November 1433 in Dijon geborene Karl III. der Kühne war noch in höfischer Lebensart des Mittelalters erzogen worden. Bereit sein Vater Phillip wollte sein Herzogtum Burgund erweitern und verhandelte deshalb mit dem französischen König Ludwig XI. im Westen, sowie östlich mit dem Kaiser des Heiligen römischen Reichs Friedrich III. erfolglos. Sein hochgebildeter Sohn Karl wollte dann einerseits durch Eheschliessungen mit Töchtern aus anderen Herrschaftsgebieten seinen Einflussbereich vergrössern.
Hier wäre die tragische Rolle der Frauen anzumerken, denn sie wären eigentlich zur Erhaltung der Stammlinie als Mütter vorgesehen gewesen. Die erste Ehe schloss Karl im Alter von sechs Jahren mit der zwölfjährigen Königstochter Katarina von Valois, die aber bereit im achtzehnten Lebensjahr kinderlos verstarb. Erst aus der Ehe mit seiner zweiten Frau Isabelle de Bourbon wurde die spätere Alleinerbin Maria von Burgund geboren.
Am 12. April 1465 übergab Philipp der Gute alle Regierungsgeschäfte an Karl, der fortan versuchte, die Politik seines Vaters fortzuführen. Der 32ig jährige Karl eröffnete bereits ein Jahr später mit Eroberungszügen in Flandern neue Streitereien mit Ludwig XI. was wiederum zu Gegenaktionen führte. Gleichzeitig baute er ein mächtiges Heer auf und ein Bündnis mit Elsass-Lothringen, um den Habsburgern bei den Kämpfen gegen die Eidgenossen beizustehen, scheiterte.
Herzog Karls Bestreben war Burgund zum Königreich zu machen und in der Folge sich selbst zum Kaiser zu krönen. Das Vorhaben wurde aber trotz grösstem Pomp bei einem Treffen der Fürsten in Trier vereitelt. Schliesslich zog nun Karl der Kühne mit seinem Heer und dem ganzen Hof gegen die Eidgenossenschaft um den Stadtstaat Bern zu erobern.

Wir wissen es aus der Schule: «Er verlor bei Grandson das Gut, bei Murten den Mut und bei Nancy das Blut» worauf sein Reich unterging.

10 000 Menschen verloren in der Schlacht bei Murten ihr Leben. Ihre Leichen wurden zunächst begraben und später die Gebeine im eigens erstellten Beinhaus bei Meyrin bis unter die Decke gestapelt. Über lange Zeit war das ein weltbekanntes Touristenziel, von wo man sich gerne auch ein Stückchen Knochen als makabres Souvenir mitnahm. Casanova war dort, Goethe auch und auch Napoleon, bis endlich 1798 vorbeiziehende französische Truppen das Gebäude einrissen. Sie betrachteten die Zurschaustellung ihrer Toten als eine Beleidigung Frankreichs. Die Skelette hat man beerdigt und ruhen lassen.

Nun wird die Verklärung, Heroisierung der Schlacht konkret.
Bild: Der Obelisk, mit Steinblöcken 18 Metern hoch gebaut. Auch als Symbol der in der Bauzeit noch jungen Kantons-Zugehörigkeit Murtens zu Freiburg zu verstehen.
An der Stelle des abgetragenen Beinhauses wurde 1822 der mächtige Obelisk erstellt. Die Inschrift in Goldbuchstaben lautet:
VICTORIAM
XXII JUN. MCCCCLXXVI
PATRUM CONCORDIA
PARTAM
NOVO SIGNAT LAPIDE
RESPUBLICA FRIBURG
MDCCCXXII
übersetzt: “Die Republik Freiburg gedenkt mit einem neuen Denkmal des am 22. Juni 1476 durch die Eintracht der Väter errungenen Sieges.1822“
Als 1848 die neue Eidgenossenschaft entstanden war, suchte man wie auch in anderen Ländern, die eigene Identität mit allerlei symbolischen Festen, Erinnerungsfeiern und Denkmälern zu sichern. Die Heldentaten und siegreichen Kriege mit ihren vielen Opfern wurden zur Rechtfertigung der Eigenständigkeit hervorgeholt.
Ein eindrückliches Schaustück dieser Kriegsberichterstattung ist das 1899 geschaffene Panoramabild zur Murtenschlacht, das anlässlich der EXPO 2000 im rostigen Monolith gezeigt wurde. In der letzten Zeit wurde das riesige Rundbild restauriert und digitalisiert zur Anschauung bereitgestellt. Während der jetzt abgelaufenen Ausstellung im Museum Murten war es möglich das Bild auf einem Bildschirm detailliert zu betrachten.
Zoomversion des Panoramas: Es kann mit der Maus und dem Mausrad untersucht werden.
Die verschiedenen Veranstaltungen in Murten sind abgeschlossen, im Berner Historischen Museum wird das Thema jedoch noch länger behandelt, allerdings aus einem anderen Blickwinkel. Kritisch soll gezeigt werden, wie die historisch verklärten Kriege, wie auch die aus jüngerer Zeit, neben den vielen Opfern andererseits vielen Profiteuren zu Wohlstand verhalfen.

Adrian von Bubenberg, Ritter vom Heiligen Grab. Eine Person im Zwielicht, im April 1476 wurde er Kommandant von Murten und hielt der zwölftägigen Belagerung durch das Burgundische Heer stand, bevor die Schlacht am 22. Juni die Entlastung brachte. Bereits im August 1479 starb Adrian von Bubenberg hochverschuldet an einer pestartigen Krankheit.

Bodemünzi. Auf dem Hügel mit weitem Überblick, östlich von Murten hatte Karl der Kühne sein Heerlager. So sieht man heute von der Bodemünzi (Bois Dominque) das ehemalige Schlachtfeld vor Murten.

Kanonen (Feldschlangen)aus der Burgunderbeute im Museum. Dahinter Wappentafel vom ehemaligen Beinhaus.
Bilder vom Autor
Demnächst wird von uns ein Besuch der Ausstellung im Historischen Museum organisiert. Auf Seniorbern unter Bärehöck-Anlässe wird die Ausschreibung publiziert.