{"id":7536,"date":"2017-05-09T14:14:00","date_gmt":"2017-05-09T12:14:00","guid":{"rendered":"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/?p=7536"},"modified":"2023-11-03T16:49:17","modified_gmt":"2023-11-03T15:49:17","slug":"und-sie-bauten-ein-muenster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/archive\/7536","title":{"rendered":"Und sie bauten ein M\u00fcnster"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Zugegeben, der Titel ist teilweise geklaut. David Macaulay beschrieb in seinem Kinderbuch &#8220;Sie bauten eine Kathedrale&#8221; anschaulich wie so ein mittelalterliches Monumentalbauwerk entstand. In Frankreich, Spanien und England waren bereits im 10. bis 12. Jahrhundert grosse und reich ausgestattete Domkirchen gebaut worden.<\/strong><\/p>\n<p>Bern die stolz aufstrebende Stadt, hatte neben den zwei Bettelordenskl\u00f6stern nur eine sogenannte Leutkirche f\u00fcr die weltlichen B\u00fcrger. Zwar gab es schon in der Nydeggburg eine vom Z\u00e4hringer B\u00e4rchtold gebaute Schlosskapelle, die Vorl\u00e4uferin der Nydeggkirche, doch die war viel zu klein. Dazu gab es noch an der Abhangkante zur Aare, am Platz des M\u00fcnsters, eine kleine Kirche. Die Berner mussten urspr\u00fcnglich nach K\u00f6niz zu den Deutschherren, denn ihnen war Bern unterstellt. Der Fussweg von der Kreuzgasse zum Marzili und beim Sandrain hinauf ins Morillon, auf dem Kirchweg zur Kirche K\u00f6niz betr\u00e4gt etwa sieben Kilometer, das ist in einer guten Stunde zu schaffen. Dieser Weg war den Bernern sehr beschwerlich, deshalb beantragten sie beim Bischof in Lausanne eine eigene Pfarrkirche. Das wurde 1232 genehmigt gegen j\u00e4hrliche Erkenntlichkeit zuhanden des Bischofs.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-9019 aligncenter\" src=\"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/2Leutkirche_1024x361.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"361\" srcset=\"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/2Leutkirche_1024x361.jpg 1024w, https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/2Leutkirche_1024x361-300x106.jpg 300w, https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/2Leutkirche_1024x361-768x271.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p><em>Bauphasen der Leutkirche<\/em><\/p>\n<p>Im gleichen Jahr noch begann man den Bau und war bald damit fertig. Es muss ein einfaches Bauwerk, \u00e4hnlich der Kirche von Amsoldingen gewesen sein, aber <i>sie ward von Bischof<\/i> WILHELMO <i>von Lausannen selbst in Person geweicht zu Ehren<\/i> ST:VINCENTII, DIACONI <i>zu<\/i> SARRAGOSSA, <i>der unter<\/i> DIOCLETIANO <i>gem\u00e4rteret worden<\/i>. Zur Betreuung der Kirche wurde daneben ein Ordenshaus gebaut und den Teutsch-Ordens-Rittern \u00fcbergeben um daselbst den Gottesdienst zu versehen. <i>Der Leutpriester dieser Kirche zog 1339 mit dem &#8220;Fronleichnam&#8221; mit den B\u00fcrgern der Stadt in die Laupenschlacht.<\/i><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-9020 aligncenter\" src=\"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/3PlattformEckmauer.jpg\" alt=\"\" width=\"512\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/3PlattformEckmauer.jpg 512w, https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/3PlattformEckmauer-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><\/p>\n<p><em>Am Fuss der hohen Mauer<\/em><\/p>\n<p>Der Bauplatz nahe am Abhang war den Leute dann doch zu unsicher und so begann man gleichzeitig mit dem Bau einer St\u00fctzmauer. Eine vern\u00fcnftige \u00dcberlegung, denn Anno 1356 <i>ist ein Gew\u00f6lb dieser Kirch durch ein Erdbeben<\/i>, dem &#8220;Basler Erdbeben&#8221;,<i> eingefallen.<\/i><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-9021 aligncenter\" src=\"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/4Munster_um_1742_1024x736.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"736\" srcset=\"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/4Munster_um_1742_1024x736.jpg 1024w, https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/4Munster_um_1742_1024x736-300x216.jpg 300w, https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/4Munster_um_1742_1024x736-768x552.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p><em>Die M\u00fcnsterplattform um 1742<\/em><\/p>\n<p>Anno 1334, am 6. Juli wurde unter Beisein des Leutpriesters Bruder Theobald Baselwind und einiger Notabeln der Grundstein zur heutigen Plattform gelegt und alle haben Geld beigesteuert. Das Fundament der Mauer war 8 Klafter breit (1 Klafter ist 6 Fuss ist 1,80 Meter, ist 14,40 Meter). Diese Kirchhofmauer wurde im heissen Pestsommer 1477 neu und gr\u00f6sser gemacht und alle Gesellschaften hatten daran unentgeltlich zu arbeiten.<\/p>\n<p>Anno 1514 wurden die Grabstellen aufgehoben, es gab ja den neuen Friedhof am Kl\u00f6sterlistutz, man begann die Erker mit einem hohen Turmhelm zu bauen. die Fl\u00e4che wurde aufgef\u00fcllt und eine Flanierzone mit schattigen Kastanienalleen eingerichtet.<\/p>\n<p>Denkw\u00fcrdig ist, dass am 25. Juli 1654 der Studiosus Theobald Weinz\u00e4pflin, der als armer papistischer Knab in Bern auf Kosten der Obrigkeit studierte, mit seinem blinden Pferd, welches andere Knaben gest\u00e4upet, dass es samt Reiter \u00fcber die Mauer hinunter gest\u00fcrzt ist bis an die Matten. Da ist er in einem Garten ins Kraut gefallen ohne Lebens Schaden, so dass er seine Studien fortsetzen konnte und Pfarrer in Kerzers wurde. Er starb ledigen Stands in ruhigem Alter Anno 1694. Die Besitzerin des Gartens aber forderte Ersatz f\u00fcr das verderbte Kraut. Noch heute kann man diese erstaunliche Geschichte auf einer Tafel an der Mauer nachlesen. Ob bei seinem Sturz Weinz\u00e4pflin in vollem Besitz seiner geistigen und k\u00f6rperlichen Sinneskraft war, kann man bezweifeln. <i>Nomen est omen, <\/i>vielleicht hatte er, wie es Studenten bekanntlich gerne tun, dem Weine zu viel zugesprochen und er war blau. Die gelbe Karte von seinen Schutzengeln war ihm ein deutlicher Fingerzeig f\u00fcr seinen k\u00fcnftigen Lebensweg.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-9022 aligncenter\" src=\"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/5Tafel.jpg\" alt=\"\" width=\"669\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/5Tafel.jpg 669w, https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/5Tafel-300x202.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 669px) 100vw, 669px\" \/><\/p>\n<p><em>Gedenktafel an der PLattformbr\u00fcstung<\/em><\/p>\n<p>Erst 1778\u20131779 entstanden die heutigen Eckpavillons durch Niklaus Spr\u00fcngli. Ins Blickfeld der \u00d6ffentlichkeit geriet die Plattform, als man 1986 bei Sanierungsarbeiten den Skulpturenfund machte. Beim Bildersturm der Reformation hatte man die zerst\u00f6rten Heiligenfiguren als Bauschutt zum Hinterf\u00fcllen der Mauer verwendet. Den Arch\u00e4ologen w\u00e4re ein unermessliches T\u00e4tigkeitsfeld er\u00f6ffnet, w\u00fcrde man die aufgesch\u00fcttete Erde bis zum Grund abtragen \u2013 Gr\u00e4ber, Aufsch\u00fcttung, wieder Gr\u00e4ber, Brandschutt, dann die Skulpturen \u2013 besser man l\u00e4sst es ruhen.<\/p>\n<p><strong>Nun zur\u00fcck zur Kirche<\/strong><\/p>\n<p>Als Anno 1414 der K\u00f6nig Bern besuchte, war man besch\u00e4mt \u00fcber das recht d\u00fcrftige Kirchlein. F\u00fcr den K\u00f6nig und sein Gefolge war nicht einmal die Predigerkirche gross genug. Als dann vier Jahre sp\u00e4ter auch noch der Papst selbst bei seiner Visite in Bern die Leutkirche beehrte, wurden die Berner r\u00e4tig, sie m\u00fcssten anstelle der kleinen, eine grosse, der Stadt w\u00fcrdige Kirche bauen. Papst Martinus hatte sie dazu angeregt und stifte auch gleich einige t\u00fcchtige Abl\u00e4sse, mit deren Eink\u00fcnften der Bau begonnen werden konnte. Im Jahr 1420 <i>ward dies neue Kirchen Geb\u00e4u angefangen.<\/i> Zum Baumeister riefen sie Meister Matthias (Heinzius) Ensinger herbei, den Sohn des ber\u00fchmten Werkmeisters von Strassburg und Freiburg im Breisgau. Am 11. M\u00e4rz 1421, am <i>Gregoryenabend<\/i>, verk\u00fcndete der <i>L\u00fctpriester johans von thuno <\/i>von der Kanzel dass am n\u00e4chsten Tag nach der Fr\u00fchmesse mit einer Prozession von ihm und dem Schultheiss <i>ruodolf hofmeister <\/i>der erste Stein gelegt werde.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-9023\" src=\"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/6Grundstein.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/6Grundstein.jpg 1024w, https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/6Grundstein-300x200.jpg 300w, https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/6Grundstein-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p><em>Sockelgeschoss an der Kirchgassseite<\/em><\/p>\n<p>Sie legten den Grundstein an der \u00e4ussersten Mauer gegen die Kirchgasse, bei der Hebamment\u00fcre, in der Mitte des M\u00fcnsters und legten darauf drei Gulden, die der Werkmeister nach damaligem Brauch an sich nahm. So hatte der Baumeister einen Vorschuss f\u00fcr seine Arbeit. Die n\u00f6tigen \u00fcbrigen Gelder sollten durch Spenden aufgetrieben werden. Hier benutzte Konrad Justinger als Erster die Bezeichnung &#8220;M\u00fcnster&#8221;, das nebenbei.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-9024 aligncenter\" src=\"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/7Baubeginn.jpg\" alt=\"\" width=\"752\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/7Baubeginn.jpg 752w, https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/7Baubeginn-294x300.jpg 294w\" sizes=\"auto, (max-width: 752px) 100vw, 752px\" \/><\/p>\n<p><em>Aus der Spiezer Chronik von Diepold Schilling. Der Baubeginn am M\u00fcnster<\/em><\/p>\n<p>Ensinger legte die Grundmauer um die bestehende Leutkirche herum und weiter gegen Westen an. Zehn Jahre sp\u00e4ter standen bereits die Seitenmauern und der Chor war begonnen. Der Bau gewann unter Beisteuer wohlhabender Familien und auch der gesamten B\u00fcrgerschaft an H\u00f6he. Kapellen und mit ihnen der Unterhalt eigener Kapl\u00e4ne wurden gestiftet. Die Familien Diessbach, Ringoldingen und auch die Z\u00fcnfte stifteten nicht nur f\u00fcr das M\u00fcnster, sondern auch in allen Kirchen und Kl\u00f6stern der Stadt betr\u00e4chtliche Pfr\u00fcnde und Einkommen. Vinzenz Ensinger, der Sohn des ersten Baumeisters trug 1449-51 das Langhaus der alten Leutkirche ab und Stefan Hurder \u00fcbernahm die Bauleitung von Matth\u00e4us Ensinger.<\/p>\n<p>So war das entstehende M\u00fcnster Anno 1453, am 14. August soweit gediehen, dass vom Bischof von Lausanne <i>Georg von Saluce <\/i>zwei Geistliche Herren, Weihbischof <i>Franziskus de Fuste<\/i> Bischof zu <i>Granate<\/i> und Abt <i>Antonius de Albertis <\/i>von Genf, beauftragt waren die neue Kirche zu visitieren. Sie wurden mit dem \u00fcblichen Brimborium von der ganzen <i>Clerisey <\/i>am oberen Tor empfangen und mit einer feierlichen Prozession zur neu erbauten Pfarrkirche gef\u00fchrt. <i>Allwo sie das Volk ermahnten, den Seegen und Ablass erteilten und einer grossen Menge Kindern die Firmung gaben<\/i>. Die Visitation am Morgen ergab, dass bereits 12 Alt\u00e4re gestiftet, mit Eink\u00fcnften versehen und mit Kelch, Kleidern, B\u00fcchern und allem wohl versehen waren. Es waren namentlich 1. der St. Catharina Altar, 2. Der Hl. Kreuz Altar, 3. St. Georg, Sebastian und Erasmus, 4. St. Josefs Altar, 5. St. Christoffels Altar, 6. Der 3 K\u00f6nigen Altar, 7. Der St. Georgii Altar, 8. Der Apostel Altar der aber wie auch die beiden vorher gemeldeten noch nicht mit Eink\u00fcnften und Effekten versehen war, 9. Der St. Vintzenzen Altar, 10. Der St. Antoni Altar, 11. St. Nikolai Altar und 12. der St. Michaels Altar.<\/p>\n<p>Immer noch stand inmitten der wachsenden Mauern die alte Kirche mit ihrem Turm, der etwa am \u00f6stlichen Ende des Nordschiffs stand. Er wurde erst 1489 durch Erhart K\u00fcng abgebrochen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-9025 aligncenter\" src=\"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/8Vinzenz.jpg\" alt=\"\" width=\"680\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/8Vinzenz.jpg 680w, https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/8Vinzenz-266x300.jpg 266w\" sizes=\"auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px\" \/><\/p>\n<p><em>St. Vinzenz als Ritter und St. Laurenzius, Standesscheibe im Kloster Wettingen.<\/em><\/p>\n<p>Inzwischen machte man sich um die weitere Finanzierung des Projekts Sorgen und wurde sich bewusst dass nur eine heilbringende, wundert\u00e4tige Reliquie das Berner M\u00fcnster zu einer Wallfahrtsst\u00e4tte machen und damit zu sprudelnden Eink\u00fcnften verhelfen konnte. Anno 1463 schickte Bern eine Gesandtschaft nach Sarragossa um etwas Heiligtums von ihrem Stadtheiligen Vinzenz, der daselbst Diakon gewesen, zu erhalten. Sie kamen ohne Erfolg zur\u00fcck. Im gleichen Jahr reiste Hans von Balm in Gesch\u00e4ften f\u00fcr Niklaus von Diessbach nach K\u00f6ln. Er benutzte einen unbewachten Augenblick um den dorthin von Kaiser Carolus Magnus gebrachten Haupt-Sch\u00e4del des Heiligen zu stehlen und umgehend nach Bern zu transportieren. In Bern war man hoch erfreut und fasste den Totenkopf mit Gold und Edelsteinen und brachte ihn in ansehnlicher Prozession in die Kirche. Das dazu verwendete Gold soll 500 Lot gewogen haben. Weil ihm dieser Streich so wohl gelungen war, reiste Balm nach Rom und brachte von dort stattliche Heiligt\u00fcmer von den 10&#8217;000 Rittern mit sich, womit er abermals in Bern wohl empfangen wurde. Die Obrigkeit bot ihm daf\u00fcr das Schultheissenamt zu B\u00fcren lebenslang an, <i>weil er aber dazu nicht geschickt befunden, ward ihm eine Stadtschreiberei zu Thun und eine j\u00e4hrliche Pension zuerkannt.<\/i><\/p>\n<p>Im Jahr 1465 geschah der Stadt Bern ihr, wie sie meinten, gr\u00f6sstes Ungl\u00fcck. Die goldene Monstranz samt dem Sakrament wurde von einem Priester gestohlen und verkauft, der die Tat aber erst auf seinem Totenbett gestand. In \u00e4usserster Best\u00fcrzung vermeinte das Volk, sie h\u00e4tten ihren Herrgott verloren und es wurde als sonderliche Strafe vom Himmel angesehen. Alle Nachforschungen nach dem Verbleib des Heiligtums waren vergeblich, auch Folter an unschuldigen Personen brachte kein Ergebnis. So erliess man Gesetze wider alle \u00dcppigkeit, Hurerei, Fluchen, Meineid, Karten- und W\u00fcrfelspiele, auch gegen leichtfertige und kostbare Kleider und Schuhe mit langen Schn\u00e4beln, in der Meinung damit den Zorn Gottes zu bes\u00e4nftigen. Weil aber der Adel sich dieser Kleiderordnung\u00a0 nicht unterzog und meinte, es geb\u00fchre ihm mehr als den gemeinen B\u00fcrgern, entstand grosser Unwillen der bald zu Schaden der Stadt ausgeschlagen w\u00e4re. Diese Ordnung wurde von der Kanzel verlesen und bei Busse beschworen mit genauen Vorschriften \u00fcber die erlaubte L\u00e4nge und Gr\u00f6sse der Schmuckteile. Einige Frauen\u00a0 hielten sich trotzdem nicht daran und wurden aus der Stadt verwiesen.<\/p>\n<p>Anstatt der verlorenen Monstranz liess die B\u00fcrgerschaft eine weit k\u00f6stlichere aus purem t\u00fcrkischem Gold verfertigen, 332 Lot schwer und mit kostbaren Edelsteinen besetzt. Man setzte als W\u00e4chter auf die Empore einen grossen h\u00f6lzernen Christoffel, der von dort auf den St. Vinzenzen-Alter hinab sah um die Monstranz zu h\u00fcten.<\/p>\n<p>Die Bauarbeiten zogen sich hin, von denen die bei der Grundsteinlegung dabei waren, lebten wahrscheinlich keine mehr. Zum Jubeljahr 1475 wurde vom Papst als besondere Gnade dem Berner M\u00fcnster die Vergabe von Abl\u00e4ssen gew\u00e4hrt und die Bulle von der Kanzel verlesen. In einer Truhe bei Eingang hat man die Spenden gesammelt, verf\u00fcgte Beichtgelder dazugelegt. Das gesammelte Geld wurde zuletzt unter den Beichtv\u00e4tern verteilt aber ein guter Teil dem Kirchenbau gewidmet.<\/p>\n<p>Der Chronist meint den beiden Weihbisch\u00f6fen von Konstanz und Basel und anderen Fremden sei aus dem St. Vinzenzen Geld so viel ausbezahlt worden, dass sie wohl vergn\u00fcgt von Bern abreisen konnten.<\/p>\n<p>1477 traf ein gewaltiger Donnerschlag mit sichtbaren Flammen den alten Kirchturm und z\u00fcndete den daran stehenden Liebfrauen-Bruderschafts-Altar an. Beim L\u00f6schen erlitt der Altschultheiss von Scharnachtal einen Schlag und war in der Folge halbseitig gel\u00e4hmt. War es eine Aufforderung endlich das Alte abzureissen und weiter zu bauen? Es war noch immer kein Dach \u00fcber den Mauern. Erhart K\u00fcng, der wohl bekannteste Werkmeister sollte das dann in den folgenden Jahren bewerkstelligen.<\/p>\n<p>So geschahen allerlei Dinge um das grosse Bauwerk. Die Stadtbewohner lebten mit und von den Arbeiten an ihrer wachsenden Stadtpfarrkirche. Fast sechs Jahrhunderte sind seither vergangen und noch immer wird daran gebaut.<\/p>\n<p>Wie es dann mit dem Berner M\u00fcnster weiter ging, wird Thema der n\u00e4chsten Geschichte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus der Reihe &#8220;B\u00e4rner Gschichte&#8221; von Erwin Weigand<\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":7537,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advgb_blocks_editor_width":"","advgb_blocks_columns_visual_guide":"","site-container-style":"default","site-container-layout":"default","site-sidebar-layout":"default","site-transparent-header":"default","disable-article-header":"default","disable-site-header":"default","disable-site-footer":"default","disable-content-area-spacing":"default","footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"class_list":["post-7536","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-magazin"],"author_meta":{"display_name":"Erwin","author_link":"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/archive\/author\/erwin"},"featured_img":"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/1Baumeister1-1.jpg","coauthors":[],"tax_additional":{"categories":{"linked":["<a href=\"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/archive\/category\/magazin\" class=\"advgb-post-tax-term\">Magazin<\/a>"],"unlinked":["<span class=\"advgb-post-tax-term\">Magazin<\/span>"]}},"comment_count":"0","relative_dates":{"created":"Ver\u00f6ffentlicht 9\u00a0Jahren vor","modified":"Aktualisiert 3\u00a0Jahren vor"},"absolute_dates":{"created":"Ver\u00f6ffentlicht am 9. 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