{"id":7533,"date":"2017-04-19T14:10:00","date_gmt":"2017-04-19T12:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/?p=7533"},"modified":"2023-11-02T21:16:35","modified_gmt":"2023-11-02T20:16:35","slug":"staatsbesuche-in-alter-und-neuer-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/archive\/7533","title":{"rendered":"Staatsbesuche in alter und neuer Zeit"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Beim St\u00f6bern in der Chronik des Konrad Justinger findet man allerlei Geschichten mit teils wahren und auch dazu gedichteten Begebenheiten. Diesmal soll \u00fcber hohen Besuch in der Stadt Bern berichtet werden.<\/strong><\/p>\n<p>Man schrieb das Jahr 1414. In Bern war die neun Jahre zuvor abgebrannte Stadt bereits wieder aufgebaut und die B\u00fcrger gingen ihrem normalen Tagwerk in bernischem Gleichmut nach. Ringsum, in den umliegenden L\u00e4ndern aber war es alles andere als ruhig. Die weltlichen und besonders die kirchlichen Machthaber lagen in unvers\u00f6hnlichem Streit. Dazu ein kurzer R\u00fcckblick auf die Geschichte.<\/p>\n<p>Nach dem Niedergang der Stauferherrschaft im 13. Jhdt. gewann Frankreich an Macht. Auch die Macht der P\u00e4pste in Rom war eingeschr\u00e4nkt durch Kardin\u00e4le franz\u00f6sischer Herkunft. Deshalb gelang es mit der Wahl des Erzbischofs von Bordeaux, einen Franzosen als Clemens V. zum Papst zu w\u00e4hlen. Er wurde in Lyon gekr\u00f6nt und bezog seinen Amtssitz in Avignon. Damit wurde das Papsttum zum Spielball franz\u00f6sischer Machtanspr\u00fcche und es verlor seine Autorit\u00e4t als \u00fcberparteiliche Macht in Europa. Dieser von Korruption und Bevorzugung gepr\u00e4gte Zustand dauerte bis ins Jahr 1378. Auf Betreiben r\u00f6mischer Kirchenleute und besonders dem der sp\u00e4ter heiliggesprochenen Frauen <i>Brigitta von Schweden<\/i> und <i>Katharina von Siena<\/i>, zog Papst <i>Gregor XI.<\/i> endlich zur\u00fcck nach Rom. Das gefiel jedoch den Franzosen nicht und sie w\u00e4hlten mit <i>Clemens VII.<\/i> einen Gegenpapst, das Schisma mit mehreren Gegenp\u00e4psten begann. Erst ein in Pisa 1409 einberufenes Konzil mit vier Patriarchen, 22 Kardin\u00e4len und 80 Bisch\u00f6fen, sollte dem unhaltbaren Zustand ein Ende setzen. Die beiden konkurrierenden P\u00e4pste <i>Benedikt XII.<\/i> in Avignon und <i>Gregor XII.<\/i> in Rom waren aber dort nicht erschienen und so wurden sie als \u00fcberf\u00fchrte Schismatiker verurteilt und abgesetzt. Als Nachfolger wurde <i>Alexander V.<\/i> gew\u00e4hlt. Die beiden ehemaligen P\u00e4pste aber weigerten sich abzutreten, sodass es nunmehr \u2013 einzigartig in der gesamten Papstgeschichte \u2013 drei P\u00e4pste gleichzeitig gab, das Schisma wurde noch weiter verschlimmert. Durch den Stress \u00fcberfordert starb Alexander bereits ein Jahr sp\u00e4ter Sein Nachfolger als Papst wurde sein vermeintlicher M\u00f6rder, <i>Baldassare Cossa<\/i>, ein ehemaliger Korsar, der sich als Papst den Namen <i>Johannes XXIII.<\/i> gab.<\/p>\n<p>Als 1411 <i>K\u00f6nig Sigismund<\/i>, der sp\u00e4tere Kaiser, sein Amt antrat, regierten also drei P\u00e4pste. Mit Gegenpapst Johannes XXIII. beschloss Sigismund ein erneutes Konzil, das <i>Konzil von Konstanz<\/i>, um endlich Ordnung zu schaffen.<\/p>\n<p>Hier beginnt die Geschichte auch f\u00fcr die Schweiz interessant zu werden.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-9008 alignnone\" src=\"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Staatsbesuch_Richental_Chronik.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"417\" srcset=\"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Staatsbesuch_Richental_Chronik.jpg 640w, https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Staatsbesuch_Richental_Chronik-300x195.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p>Kirchenm\u00e4nner, F\u00fcrsten und Herrscher aus ganz Europa reisten nach Konstanz. Mit ihnen ein Tross von allerlei Begleitschaft. Ein Riesenbetrieb entstand am Bodensee, ein erster Anlauf des Schweizer Tourismusgesch\u00e4fts, das sich sp\u00e4ter zur Tourismusindustrie entwickeln sollte.<\/p>\n<p>Der eine Papst reiste von Bologna \u00fcber den Reschenpass und den Arlbergpass an, wobei ihm beim Umsturz seines Wagens ein recht derbes:<i>\u201eHier liege ich in Teufels Namen!\u201c <\/i>entwich. Er verlor dann beim Konzil auch noch seine W\u00fcrde, indem ihm und den anderen beiden Gegenp\u00e4psten die Funktion entzogen wurde. Gew\u00e4hlt wurde dann Kardinal Colonna als Papst <i>Martin V.<\/i><\/p>\n<p>Erst \u00fcber f\u00fcnfhundert Jahre sp\u00e4ter wagte es ein neuer Papst wieder den Namen Johannes zu w\u00e4hlen. <i>Angelo Giuseppe Roncalli<\/i> ,der \u201e<i>Konzilspapst<\/i>\u201c <i>Johannes XXIII<\/i>. nahm nach seiner Wahl 1958 diesen Namen an, womit er einerseits dem Baldassare Cossa die Papstw\u00fcrde aberkannte und andererseits sich ihm als Initiant eines neuen Konzils zur umfassenden Erneuerung der r\u00f6misch katholischen Kirche gleichsetzte. Damit w\u00e4re auch die korrekte Nummerierung der P\u00e4pste gekl\u00e4rt.<\/p>\n<p>K\u00f6nig Sigismund war aus der Lombardei durchs Piemont zum Grafen von Savoyen gelangt und wollte noch in Aachen zum Rechten sehen, bevor auch er nach Konstanz z\u00f6ge.<\/p>\n<p>Den Bernern kam zu Ohren dass sich der K\u00f6nig in Romont am Hof des Savoyers bef\u00e4nde und so schickten sie <i>erbar Botschaft<\/i> mit einer offiziellen Einladung dahin und <i>luden den k\u00fcng und den herren von safoy gan bern.<\/i><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-9010 alignnone\" src=\"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Staatsbesuch_Sigismund_vor_Bern.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"711\" srcset=\"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Staatsbesuch_Sigismund_vor_Bern.jpg 640w, https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Staatsbesuch_Sigismund_vor_Bern-270x300.jpg 270w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p>Inzwischen wurde in Bern geordnet und bestellt wie man den <i>K\u00fcng<\/i> empfangen sollte. Als dann am 3. Juli 1414 nach der Vesperzeit von B\u00fcmpliz her der Zug mit viel F\u00fcrsten und Herren herankam, ging man ihm entgegen <i>mit dem cr\u00fctz und mit aller pfaffheit und schulern, mit dem heltum und mit allen orden. Da waren geordnet bi f\u00fcnfhundert junger knaben under sechszehen jaren; den hat man bereit des richs paner, und daz trug ein micheler knab, und die andren knaben hat jegklicher des richs adelar uf sinem houpt in einem tscheppellin gemalet in einem schilte uf papir. Die empfiengen dez ersten den k\u00fcng und kn\u00fcwoten all nider. Daz geviel dem k\u00fcng gar wol und sprach zu den f\u00fcrsten, die bi im ritten : da wachset uns ein n\u00fcwe welt. Darnach wart er empfangen mit. dem cr\u00fctze, mit dem heltum von aller pfaffheit, mit dem lobsang so sunderlich darzu h\u00f6ret.<\/i><\/p>\n<p>Danach empfingen den K\u00f6nig der Schultheiss mit zweihundert R\u00e4ten und das ganze Berner Volk stand beidseits der Gassen. Der Schultheiss bot ihm die Schl\u00fcssel der Stadttore, die der K\u00fcng aber zur\u00fcckwies und sprach: \u201e<i>nempt die sl\u00fcssel wider und h\u00fctent wol.<\/i>\u201c<\/p>\n<p>Nun war ein <i>guldin Himmel<\/i> an vier Stangen bereitet, getragen von vier Vennern. Unter diesem Baldachin wurde der hohe Gast auf seinem Ross zum Zytglogge gef\u00fchrt, begleitet vom Schultheiss und den R\u00e4ten. Danach ging die Pfaffheit mit ihrem Heiligtum und den Sch\u00fclern<i> jeglich wieder in ihre Gotzh\u00e4user.<\/i> Den K\u00f6nig aber f\u00fchrten sie zu den Predigern, denn das Rathaus war ja bekanntlich in keinem vorzeigbaren Zustand und das neue gerade erst geplant.<\/p>\n<p>Im Predigerkloster aber war alles aufs Beste bestellt. <i>ein kamer und sin bette mit guldinen und sidinen t\u00fcchern in der grossen stuben; die tische wol bereit, und die wende alle behengket mit kostberen t\u00fcchern, besunder hindrem tische , do der k\u00fcng saz, an der wand ein guldin tuch. Also ass er nit me denn ein mal in der stuben, die andren male ass er in dem refentor, und allermenglich bi im, als vil do l\u00fcten gesitzen mochten an allen tischen inwendig und usswendig.<\/i><\/p>\n<p><i><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-9011 alignnone\" src=\"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Staatsbesuch_alle_Sachen.jpg\" alt=\"\" width=\"741\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Staatsbesuch_alle_Sachen.jpg 741w, https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Staatsbesuch_alle_Sachen-289x300.jpg 289w\" sizes=\"auto, (max-width: 741px) 100vw, 741px\" \/><\/i><\/p>\n<p>Diese pr\u00e4chtigen R\u00e4ume und Bauten hatten die Reformation heil \u00fcberstanden. \u00dcber die Jahrhunderte aber verloren sie erstens ihren Zweck und zweitens litt der bauliche Zustand so, dass kurz vor 1900, beim Bau des Stadttheaters das Kloster abgebrochen wurde. Freskenreste hat man damals geborgen und Fotos der Wanddekorationen gemacht, sie sind im historischen Museum aufbewahrt. Die Maler waren die Berner Nelkenmeister, so sagen die Historiker.<\/p>\n<p>Wie aber wurden die G\u00e4ste bewirtet, es waren immerhin auf des K\u00f6nigs Seite <i>meh denn achthundert Pferit und auf des Grafen Teil meh denne sechshundert Pferit<\/i><\/p>\n<p>Fast nicht zu glauben. Man stelle sich vor: \u20131400 Pferde, dazu Reiter und Knechte, Frauen und M\u00e4gde und alle wurden wohl verpflegt\u2013. So schreibt der Chronist: <i>Es waz ouch bestellet und geordenot umb win, umb brot, so umb fuoter, wa man daz vinden und nemen solte; fleisch, visch, spetzerie und ander ding, waz man bedorft dez hat man gnug, da waz kein gebrest. Nit allein der k\u00fcng, sunder menglich hat. gnug, me ouch der graf von safoy und alle die sinen; und allen den, so zu dem k\u00fcng dar komen, gap man gnug.<\/i><\/p>\n<p>Man wollte auch das Silbergeschirr der Stadt auftischen, aber des K\u00f6nigs Hofmeister sprach: \u201eNein! stellt es nicht auf, es w\u00fcrde sonst gestohlen\u201c. Also trank <i>meniglich aus d\u00fcnnen welschen Gl\u00e4sern, der K\u00f6nig, der Graf von Savoy und der Marquis von Montferrat, alle drei tranken aus einem Glas.<\/i><\/p>\n<p>Drei Tage weilte der Hohe Besuch in Bern, dann ritt er gegen Mittag gen Solothurn, begleitet von der ehrbaren Berner Botschaft. Sie ritten gen Thal, das ist an der Worble in Ittigen und weiter auf der Reichsstrasse \u00fcber Habstetten ins Krauchtal und Burgdorf nach Solothurn.<\/p>\n<p>Als man danach die Kosten \u00fcberschlug, f\u00fcr <i>die zerung, den schmiden, den sattlern, bi den sch\u00f6nen frouwen im geslin, darzu daz man an barem gelte gap des k\u00fcnges amptl\u00fcten, nemlich sinen pfifiern,\u00a0 trumpotern, t\u00fcrh\u00fctern, metzgern, k\u00f6chen, daz bar gelt geburt sich in ein summe sechtzig schiltfranken und aller kost in ein summe gerechnet geb\u00fcrte zwei thusent pfunt pfennigen. Der koste beturte nieman, won nachdem do der k\u00fcng uf dem rine und vil andern stetten und landen gewesen waz , do r\u00fcmde der k\u00fcng\u00a0 offenlich, daz im in keiner richstat me eren und wirdikeit nach aller ordnunge erbotten were, denne ze bern. Und daz ist kuntlich war.<\/i><\/p>\n<p>Der Stadt Bern lag es schon damals sehr daran, ihren Ruf zu mehren, koste es was es wolle. Aber der Chronist klagt gleichwohl \u00fcber die stark steigenden Kosten nach dem K\u00f6nigsbesuch, f\u00fchrt es aber mit auf das beginnende Konzil zur\u00fcck weil da viele Herren und Pfaffen zu <i>riten<\/i> k\u00e4men. Die Teuerung w\u00e4hrte angeblich f\u00fcnf Jahre.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-9012 alignnone\" src=\"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Staatsbesuch_Papst_Martin_in_Bern.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"529\" srcset=\"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Staatsbesuch_Papst_Martin_in_Bern.jpg 640w, https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Staatsbesuch_Papst_Martin_in_Bern-300x248.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p>In den folgenden Jahren war dann das Konzil und Bern schaute aus sicherer Entfernung zu. Papst <i>Martin V.<\/i> wurde gew\u00e4hlt, die Welt schien wieder in Ordnung zu sein. Der neue Oberhirte begab sich auf den Heimweg \u00fcber Schaffhausen und Lenzburg, dort wurde er von der Berner Botschaft begr\u00fcsst und \u00fcber Solothurn nach Bern begleitet Vorher hatte er sich versichert auch willkommen zu sein, was ihm garantiert wurde. Am 24. Maien 1418 erreichte der Papst mit seinem Gefolge die Stadt. Und wieder sparte man nicht an Aufwand. Mit Aller Geistlichkeit, dem Allerheiligsten und viel Volk ritt Martin auf weissem Rosse zur L\u00fctkilche und danach zur Predigerkirche. Alle Sachen waren wohl bestellt und die Stadt schenkte ihm dazu einige Mengen Weinf\u00e4sser, Ochsen und Schafe, Fisch und andere Dinge. Am Fronleichnamstag hielt dann der Papst selbst dort die Messe. Es waren mehr als zwanzig Kardin\u00e4le und Bisch\u00f6fe dabei, auch liess man die R\u00e4te und ehrbare Leute im Chor sein. Viel Volk war draussen im Obstgarten und die Mette dauerte zwei Stunden. Danach stieg der Pontifex auf den Lettner und sang und gab von dort seinen Segen mit der Hand.<\/p>\n<p>F\u00fcr die reuigen schweren S\u00fcnder setzte er Penitentzier (Bussprediger) ein, die ihnen die Beichte h\u00f6rten und Absolution erteilten. Totschl\u00e4ger, Meuchelm\u00f6rder und sogar der Henker von Bern wurden absolviert <i>und tat jederman sin buss in der kilchen und im cr\u00fctzgang nakent mit ruteschl\u00e4gen, daz mengem alten rostigen S\u00fcnder notd\u00fcrftig war.<\/i><\/p>\n<p>Zw\u00f6lf Tage hatten der Papst und alle f\u00fcrstlichen, geistlichen und weltlichen Herren in Bern <i>gutes Gemach, gute Herberg gute Stallung guten Kouf, dass sie alle guten Wirt lobten.<\/i> W\u00e4hrend diesen Tagen fingen die Aarefischer mehr als sechzig Salmen und die J\u00e4ger grosse Vorhennen was es noch niemals gegeben hatte. Nach einem letzten Amte mit seinen Pr\u00e4laten in der L\u00fctkilche schenkte der Papst noch eine sch\u00f6n k\u00f6stlich, g\u00fclden mit seinem Wappen bestickte Chorkappe, gab dem Deutschen Hause und dem Volk seinen Segen und ritt von dannen. Auf einem weissen Ross mit einer Fahne ritt er gen Friburg und dann gen Genf. Dort hielt er wohl drei Monat Hof und alle waren sich gereuig schon so bald von Bern gezogen zu sein. Sie sprachen: ,,<i>Non sumus Gebennis<\/i>, <i>sed Gehennis<\/i>.\u201c (Wir sind nicht in Genf, sondern in der H\u00f6lle. \u2013 Wortspiel zwischen Gebennae, Genf, und Gehennae, H\u00f6lle.)<\/p>\n<p>So waren damals Staatsbesuche. Manches gekr\u00f6nte Haupt wird auch in der heutigen Zeit mit viel Ehre empfangen, allerdings werden j\u00e4hrlich h\u00f6chstens zwei offiziell begr\u00fcsst.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-9013 alignnone\" src=\"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Kaiser_Wilhelm_II.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"408\" srcset=\"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Kaiser_Wilhelm_II.jpg 640w, https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Kaiser_Wilhelm_II-300x191.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p>Sogar Kaiser waren hier: Willhelm II. von Preussen, 1912 anl\u00e4sslich des Kaiserman\u00f6vers, um sich von der Wehrbereitschaft an der Schweizer Westgrenze zu \u00fcberzeugen. Sein Aufenthalt in Bern dauerte allerdings wetterbedingt nur sieben Stunden. Neben den obligaten Reden und dem Bankett im Bernerhof stand noch ein Besuch des B\u00e4rengrabens auf dem Programm. Daselbst kam es zu einem lustigen Zwischenfall, als ein Berner Gassenbub sich neben den Kaiser ans Gel\u00e4nder dr\u00e4ngte. Der Kaiser gab dem Knaben das f\u00fcr den B\u00e4remani bestimmte R\u00fcbli. Ein welscher Journalist meinte, die B\u00e4ren h\u00e4tten die Anbiederung des Potentaten verschm\u00e4ht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-9014 alignnone\" src=\"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Staatsbesuch_Kaiserbesuch_1912.jpg\" alt=\"\" width=\"740\" height=\"474\" srcset=\"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Staatsbesuch_Kaiserbesuch_1912.jpg 740w, https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Staatsbesuch_Kaiserbesuch_1912-300x192.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 740px) 100vw, 740px\" \/><\/p>\n<p>Der Schah von Persien besuchte in den f\u00fcnfziger Jahren Bern, ebenfalls der Tenno von Japan und die meisten Herrscher aus den K\u00f6nigsh\u00e4usern der Welt, Staatsoberh\u00e4upter ohne Adel ausserdem. Dem chinesischen Pr\u00e4sidenten Jiang Zemin bereiteten Fl\u00fcchtlinge vom Dach der Welt auf dem Dach der Bank mit Transparenten einen besonderen Gruss, was diesen sehr erz\u00fcrnte und zu einer heftigen Reaktion gegen Frau Dreyfuss antrieb. Dank des Bergkristalls aus Ogis Hosensack konnte der Vorfall g\u00fctlich bereinigt werden. Dem Dalai Lama aber blieb die Ehre eines offiziellen Empfangs verwehrt.<\/p>\n<p>Und zu guter Letzt sei noch der Besuch des greisen Papst <i>Johannes Paul II.<\/i> zum Jugendtag am 6. Juni 2004 erw\u00e4hnt. Vor 70 000 Menschen unter freiem Himmel, feierte er auf der Berner Allmend einen Gottesdienst.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-9015 alignnone\" src=\"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Staatsbesuch_Papamobil.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"496\" srcset=\"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Staatsbesuch_Papamobil.jpg 640w, https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Staatsbesuch_Papamobil-300x233.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p>Das Papamobil war ein wesentlich sichereres Gef\u00e4hrt als das des am Arlberg verunfallten Gegenpapsts Johannes XXIII.<\/p>\n<p>Abschliessend noch eine Betrachtung aus dem Jahr 1413. <i>Da kamen gar viel fr\u00f6mde V\u00f6gel in dis Land und flogen so dick an Scharen, dass man kum durch die Luft sehen mocht. Sie flogen von der Gibeleg herus in den Forst und den Bremgarten, dass alle B\u00f6me glich voll sassen. Da sagten die Alten dass viel fr\u00f6mdes Volk komen wurde. Das geschah auch bald darauf wie berichtet. Die V\u00f6gel hatten aber keinen Schaden angerichtet, also auch das Volk und die G\u00e4ste, sondern sie waren wohl genossen, weil sie viel guter Guldinen hatten.<\/i><\/p>\n<p><em>Bilder: aus Justinger und Konstanzer Richental Chronik, Berner Staatsarchiv und Wiki Commons, gemeinfrei<\/em><\/p>\n<p>Es gibt noch so viel zu erz\u00e4hlen und wenn es recht ist, werde ich hier weitere Begebenheiten aus Bern beschreiben.<\/p>\n<p>19.04.17, ew<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus der Reihe &#8220;B\u00e4rner Gschichte&#8221; von Erwin Weigand<\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":7534,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advgb_blocks_editor_width":"","advgb_blocks_columns_visual_guide":"","site-container-style":"default","site-container-layout":"default","site-sidebar-layout":"default","site-transparent-header":"default","disable-article-header":"default","disable-site-header":"default","disable-site-footer":"default","disable-content-area-spacing":"default","footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"class_list":["post-7533","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-magazin"],"author_meta":{"display_name":"Erwin","author_link":"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/archive\/author\/erwin"},"featured_img":"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Sigismund_Titel-1-300x300.jpg","coauthors":[],"tax_additional":{"categories":{"linked":["<a href=\"https:\/\/compihelpbern.ch\/wp\/archive\/category\/magazin\" class=\"advgb-post-tax-term\">Magazin<\/a>"],"unlinked":["<span class=\"advgb-post-tax-term\">Magazin<\/span>"]}},"comment_count":"0","relative_dates":{"created":"Ver\u00f6ffentlicht 9\u00a0Jahren vor","modified":"Aktualisiert 3\u00a0Jahren vor"},"absolute_dates":{"created":"Ver\u00f6ffentlicht am 19. 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