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Testeingabe eines Forenberichts von Thedy

So war das Leben in Südafrika um 1955-1958 ?

Zuerst musste ich mich neben der neuen Arbeit auch an die neue Umgebung und Gepflogenheiten gewöhnen. Allerdings war der Unterschied zum Leben in der Schweiz nicht viel anders.

Wie schon früher erwähnt war gerade die Anfangsphase der Rassentrennung (Apartheid) im Gange. Missachtung der entsprechenden Gesetze wurde z.T. sehr hart bestraft inkl. Gefängnis.

Es gab Parkbänke auf deren Lehne geschrieben stand „For Whites only“ dh. Nur für weisse Bürger. Für die schwarzen & farbigen Bürger hiess es „For Natives only“ für alle ausser Weisse Bürger. Aber diese Bänke waren spärlich anzutreffen, die nicht-Weissen konnten ja auf dem Boden sitzen ? Genau gleich war es z.B. bei den Post-Schalter oder bei den Verwaltungsbüros. Bei der Bahn gab es Bahnwagen für Schwarze Bürger und solche für Weisse.

Die Schwarzen & Farbigen hatten ebenfalls Busse nur für sie. Die eine Ausnahme war Kapstadt, dort waren die öffentlichen Verkehrsmittel nicht Rassengetrennt.

Es war im ganzen Land verboten, dass Weisse mit Schwarzen unter einem Dach wohnen. Wenn man eine/n Schwarzen als Hilfskraft angestellt hatte, musste er oder sie in ihrem Hause (im Township) übernachten oder was viele Weisse hatten, einen kleinen Raum angebaut an der Garage, dort durften die oder der Angestellte wohnen und übernachten. Angestellte hatte man im Prinzip nur für den Garten oder als Koch- & Haushalthilfe. Meistens konnten sie sogar besser kochen als die Hausfrau. Denn zu jener Zeit waren Südafrikanische Hausfrauen in ihrer Mehrheit keine guten Köchinnen.

Wenn man Alkohol, Bier, Wein oder Branntwein einkaufen wollte, war das nur in sogenannten „Bottlestore“ möglich. Dort musste man seinen Ausweis zeigen und dann wurde alles in einem Register eingetragen, diesen Eintrag musste man mit seiner Unterschrift bestätigen. Dies war eine Vorschrift um zu verhindern, dass Alkohol in die Hände von Schwarzen oder Farbigen gelangte.

Das Leben war für uns (mich und meine Europäischen Berufskollegen) eigentlich sehr angenehm und sicher, man konnte auch noch mitten in der Nacht unterwegs sein, man musste keine Angst haben. (ganz im Gegensatz zu heute).

An Sonntagen war jegliche öffentliche Unterhaltung (Kino – Tanz – Theater) verboten. Darum reparierten viele am Sonntag ihr Auto oder nützten die Zeit um es zu waschen. Meistens verbrachte man die Freizeit an Wochenenden im Freien an einem Stausee oder auch im Busch mit Grillieren was dort „Braai“ heisst & mit viel Bier.

Eine weitere Vorschrift war, Frauen waren in Bars nicht geduldet, dort trafen sich nur Männer. Frauen mussten sich ihren Drink in der Lounge eines Hotels servieren lassen.

Wollte man etwas feiern musste man eine Party (privat) organisieren, in einem öffentlichen Lokal war das viel zu kompliziert, ausser der Wirt akzeptierte eine geschlossene Gesellschaft. In den grösseren Ortschaften und Städte gab es für die Deutschen Bürger meistens ein deutscher Klub. Dort durften aber nur Mitglieder verkehren oder man wurde von einem solchen als Gast eingeladen. Es gab zu jener Zeit viele Deutsche in Südafrika, sie leisteten sich zum Teil auch eigene Schulen.

Was man in diesem Land unbedingt brauchte war ein motorisierten Untersatz, denn einen öffentlichen Verkehr gab es nur in der Stadt und der war sehr gut organisiert. Aber wenn man etwas weiter fort wollte, gab es die Bahn aber die führte ja nicht in jeden Winkel des riesigen Landes, sonst war unbedingt ein Auto oder Motorrad nötig. Da dieses Land ja mit Sonnenschein gesegnet ist war für mich zB. ein Motorrad das einzige erschwingliche Fortbewegungsmittel. Und das habe ich voll genossen. Da ich mehrheitlich Schichtarbeit leistete kam mir das sehr zugute. In der Freizeit genoss ich die Ausfahrten mit dem Töff ungemein, die Landschaften wechseln sich so oft ab, es war ein Traumland mit riesigen Distanzen. Das Land ist ca. 30 mal grösser als die Schweiz.

Mein erstes Motorrad (Sunbeam 500 ccm)

Mein zweites Motorrad (PUCH 250 ccm)

A-propos Auto, mehrheitlich gab es nur VW-Käfer, Chevrolet und Ford, diese drei Marken hatten auch Montage Werke in SA. Sie waren sehr beliebt, weil im Notfall Ersatzteile sehr schnell verfügbar waren. Bei anderen Marken mussten Ersatzteile jeweils erst im Herstellungsland bestellt werden. Und das konnte dauern.

In Pretoria wo ich lebte war das Klima sehr angenehm und sehr ausgeglichen. Die Stadt liegt auf ca. 1400 m.ü.M. Im Sommer wird es angenehm trocken/warm, manchmal gab es Perioden da ging jeden Abend um ca. 17.00 ein Gewitter nieder. Dies dauerte jeweils nur ca. eine halbe Stunde. Man nannte das damals den „civil servant rain“ dh. Bundesangestellten-Regen. (immer wenn gerade Feierabend war!!)

Im Winter wurden die Nächte kalt, zum Teil bis ca. null Grad. Aber am Tag konnte die Temperatur wieder ansteigen bis 20-25 Grad. Regen gab es im Winter ganz selten. Dies musste man sich merken, sonst riskierte man ständig mit einer triefenden Nase zu leben.

Der grösste Teil der weissen Einwohner wohnte in Einfamilienhäuser, Wohnblocks gab es wenige und die lagen mehrheitlich im Zentrum der Stadt.

Ich hatte von Anfang an Glück mit den Unterkünften, nur gerade die ersten ca. 3-4 Wochen musste ich in einem sogenannten Boardinghouse wohnen, dann durfte ich bei einem älteren Schweizer Ehepaar ein Zimmer in ihrem Einfamilienhaus mieten. Später war mir das Glück wieder hold, ich konnte bei einem jungen Schweizer Ehepaar, das mit mir eingewandert war ein Zimmer mieten mit Kost und Logis. Es war ihnen gelungen ein Einfamilienhaus zu mieten & da sie ohne Kinder waren war ich Ihnen willkommen. Wir verlebten eine ganz tolle Zeit miteinander.

Das Gesellschaftliche Leben fand mehrheitlich im privaten Kreis statt. Man besuchte sich unangemeldet, das war ganz normal und man war immer willkommen. Organisierte man eine Party musste man gefasst sein, dass viel mehr Leute erschienen als man eingeladen hatte. Denn jeder kannte irgend jemand der noch nichts vorhatte und der wurde dann mitgenommen auf die Party. Auf diese Weise habe ich sehr viele nette und lustige Leute kennen gelernt.

Am Morgen nach der Party.

Damals gab es in diesem Lande noch kein Fernsehen, Radio war „INN“ leider mit zuviel Werbung. Es gab einen englisch sprachigen Sender, einen afrikaans sprachigen Sender und einen der sich beider Sprachen bediente.

Ich habe eine ganz andere allgemeine Gastfreundschaft kennen gelernt, als was ich von der Schweiz her gewohnt war.

Die meist gesprochene Sprache war zu jener Zeit abhängig wo man sich gerade befand, in Pretoria – Johannesburg und allgemein im Landesinnern war Afrikaans die mehrheitlich genutzte Sprache. An der Küste und vor allem in Kapstadt und Durban war englisch die vorherrschende Sprache. Daneben gab es all die Idiome der Schwarzen und Farbigen Bevölkerung. Heutzutage ist Afrikaans vorherrschend.

Die Landes-Währung war 1955 noch das Südafrikanische Pfund, es war etwa CHF 12.50 wert. Dann gab es noch den Shilling und die Penny‘s. Am Anfang war das Rechnen mit dem Geld schon ein wenig Gewöhnungsbedürftig. 1 Pfund = 20 Shilling, 1 Shilling = 12 Penny’s. Heute ist der Rand die Währung & 1 Rand hat 100 Cents. (100 Rand = ca. 7.50 CHF)

Das Strassennetz war sehr gut ausgebaut, alle Verbindungsstrassen zwischen den Ortschaften waren geteert. Nur Nebenstrassen und Farmstrassen waren Naturstrassen. Autobahnen gab es zu jener Zeit noch keine.

Das nördlichste Camp des Krüger N.P. PUNDA MARIA

Etwas Einzigartiges waren die Wildparks, der bekannteste ist der Krüger Nationalpark, daneben gab und gibt es noch heute viele derartige Institutionen. Der einzige Unterschied zu heute, damals gab es noch keinen Touristenboom aus der ganzen Welt. Der Krügerpark war damals noch sehr primitiv gehalten. Man war mit Ausnahme von zwei grossen Camps Selbstversorger. Das hiess man musste selber Kochen und Einkaufen, wobei die vorhandenen Läden nicht eine grosse Auswahl an Lebensmittel hatten. Die Bungalows waren sehr einfach es gab für jedermann ein Eisengestell als Bett mit Matratze und einer Wolldecke. Heisses Wasser für den Kaffee oder Tee musste man an einem grossen Gusseisen Kochtopf holen, der vom Personal ständig beheizt wurde. Er stand immer im Zentrum von einigen Wohnhütten genau wie Toiletten und Duschen.

Aus dem Camp in den Parks durfte man nur im Auto, sobald man aus dem Camp fuhr war das verlassen des Autos gnadenlos verboten. Wurde man erwischt gab es eine saftige Busse und man wurde aus dem Park verbannt. Zwischen den Camps die etwas weit auseinander lagen gab es noch Rastplätze mit Toiletten & kleinen Tee Shops. Die Höchstgeschwindigkeit im Park war meistens 40 km/h. Aber auch das ist zu schnell um Wildtiere zu sehen. Die Strassen waren nicht geteert sondern Natur. Entsprechend staubig kann es dabei sein. Das erspähen eines Tieres kann sehr aufregend sein und man sollte sich immer bewusst sein, dass hier der Mensch Gast ist und nicht das Tier.

Bei meinem ersten Besuch mit einem befreundeten Ehepaar (1956), hatten wir einige Male die Chance mit einem Ranger zu plaudern, was der uns alles über seine Tätigkeit und seine Erfahrung mit der Tierwelt zu erzählen wusste war einmalig.

Als Ausländer musste man sehr zurückhaltend sein, wenn man über Politik und Religion diskutierte. Die Religion der Mehrheit der weissen Bevölkerung war die holländisch reformierte Kirche, diese predigte z.T. auch die Rassentrennung.

Während meines 3 jährigen Aufenthalts in diesem wunderschönen Land habe ich nicht nur die englische Sprache recht gut gelernt, sondern sehr viele freundliche und hilfsbereite Leute kennen gelernt, bei der Arbeit oder in der Freizeit. Was mir am besten zusagte waren die viele Sonnenschein Tage. Die damaligen Statistiken von Pretoria & Umgebung meldeten 250 – 270 sonnige Tage pro Jahr. An der Küste war das Wetter etwas unterschiedlicher als im Landesinnern. Kapstadt hatte z.B. im Winter (Juni bis August) sehr oft Nieselregen.

Natürlich muss ich noch etwas schreiben über die Arbeit. Die normale Arbeitszeit war von 08.00 – 12.00 und von 13.00 – 17.00 Uhr. Dabei gab es am Morgen eine ¼ stündige Teepause und dies ebenfalls Mitte Nachmittag‘s. Dazu kamen stündliche Rauchpausen auf der Feuerleiter, denn in der automatischen Telefonzentrale durfte nicht geraucht werden. Unsere Arbeit bestand in der Wartung der automatischen Anlage dies geschah im 24 Stunden Betrieb. Ich konnte nach der Einführung in dieses für mich neue System, entscheiden ob ich Schicht arbeiten wolle. Ich packte die Gelegenheit und arbeitete während ca. 2.5 Jahren Schicht, was mir sehr zusagte. Ich hatte mehr Freizeit zur Verfügung. Der Rhythmus war eine Woche von 07.00 bis 15.00h, die nächste Woche dann von 15.00-23.00h, die dritte Woche von 23.00-07.00h. Wir waren im ganzen 3 Teams die je mit 4 Mann die Schicht betrieben. Jedes 3. Wochenende war auch Arbeit angesagt, diese Schicht dauerte jeweils 12 Stunden am Stück. Wie schon früher erwähnt war der Arbeits-Rhythmus nicht sehr anstrengend und man strapazierte seine Nerven nicht besonders.

Übrigens einen automatischen Telefonverkehr gab es nur in den Städten, ausser in Pretoria da konnte man auch Telefonnummern in Johannesburg automatisch wählen und natürlich umgekehrt auch. Alle anderen Ortschaften im Land musste man die Verbindung noch über eine Telefonistin herstellen lassen. Die Telefonstinnen welche die Verbindungen herstellten hatten hie und da auch plötzlich eine Störung an ihren Vermittlungspulten, vor allem wenn wieder ein neuer Techniker im Dienst war.

Interessant ist dabei zu erwähnen, dass ich mit meinen dazumal 24 Jahren der Zweit-älteste Mann im Technikerteam war. Ich habe mir sagen lassen, dass ein Mädchen damals mit 20 Jahren einen festen Freund haben musste. ??? Sonst wurde über sie getratscht.

Es gab noch eine andere Spezialität betreffend Frauenbekanntschaften, wenn man eine junge Frau z.B. ins Kino einladen wollte, musste man ihr vor allem mindestens ein halbes Pfund Pralinen schenken, bevor man zum Kino fuhr. Ich kam um dieses Problem herum, denn ich hatte nur ein Motorrad und auf das wollten nur sehr wenige Frauen steigen, in ihrem schönen Kleid. Mein Rendez-vous Punkt war daher immer vor dem Kino !!!

Mein Schichtchef war ein von Haus aus englisch sprechender Südafrikaner, er war ein sehr angenehmer Chef der mir sehr viel geholfen um meine Sprachkenntnisse zu verbessern. Er hat mir viele Bücher geliehen so dass ich auch beim Lesen viel lernte.

Feriengäste aus Europa und anderen Erdteilen waren selten anzutreffen. Ein Flug mit SWISSAIR von Zürich nach Johannesburg dauerte z.B. ca. 24 Stunden. Das Flugzeug musste zwischen Zürich und Jo-burg 3 mal landen um aufzutanken. Das bedeutete auch dass alle Passagiere 3 mal aus- und wieder einsteigen mussten. Denn es war damals Vorschrift, dass nur aufgetankt werden durfte wenn keine Passagiere mehr an Bord waren. Dazu kamen die Kosten, die waren nach heutigen Massstäben riesig. Die andere Variante war das Schiff, aber eine Passage von England nach Kapstadt dauerte ca. 14 Tage für einen Weg. (Wie ich schon in einem früheren Bericht erwähnt habe.)

In weiteren Folgen werde ich versuchen Euch über meine Reisen in diesem abwechslungsreichen Land zu erzählen. Viel Vergnügen wünscht Euch
Thedy

 

Per Copy/Paste übernommen von der alten Website durch Peter

Copy/paste inkl. Bild ? oder Bild getrennt ?

Zitat von JPG am 23. Oktober 2023, 14:03 Uhr

Copy/paste inkl. Bild ? oder Bild getrennt ?

Das Bild musste ich separat eingeben, denn mit copy/paste befand sich das Bild nicht wirklich hier, sondern immer noch auf der alten Website und wurde  lediglich durch einen Link von dort bezogen. Nach dem  Verschwinden der alten Website wäre hier auch das Bild verschwunden.